[Erstveröffentlichung: 3. Oktober 2009]

islam wendepunkt Katajun Amipur + Ludwig Ammann   Der Islam am WendepunktDas Buch mit dem Untertitel “Liberale und kon­ser­va­tive Reformer einer Weltreligion” will ich nicht grund­sätz­lich ver­rei­ßen. Aber es ist ein Buch von Religionswissenschaftlern für Religionswissenschaftler. Und so kaum les­bar für Laien wie mich.

Andererseits ist es aber auch bit­ter nötig, sich dar­über zu infor­mie­ren, wie und ob sich der Islam anders dar­stel­len lässt als es uns die Medien zei­gen (Stichwort: Islam = Islamist). Die aktu­el­len Ereignisse um den Schul-Bet-Streit und Sarrazins Verbalentgleisung zei­gen deut­lich auf, dass die­ses Thema hoch­ak­tu­ell ist.

Nach Auffassung der Herausgeber ist der Islam der­zeit auch damit “beschäf­tigt”, sich selbst zu refor­mie­ren. Es gibt Strömungen und Denker, deren Islambild geprägt wird von der Moderne (im west­li­chen Sinne) und die ver­su­chen, die har­ten Fakten und Lehren, wie sie der Koran vor­gibt, anders und in eher men­sch­recht­li­chem Sinne zu defi­nie­ren; umzu­deu­ten.

Dies fällt mir per­sön­lich jedoch schwer, nach­zu­voll­zie­hen. Ich habe das bereits im Zusammenhang mit Shirin Ebadi’s Autobiographie ange­merkt: es gibt – für mich – nicht son­der­lich viel anders zu inter­pre­tie­ren wenn der Koran die Frau als nur halb so viel Wert befin­det wie den Mann. Dann fällt es mir schwer, dar­aus eine men­schen­rechts­kon­forme Lesart zu ent­wi­ckeln oder nach­zu­voll­zie­hen.

Interessante Ansätze gibt es jedoch in jedem Falle. Islamische Denker wie Fethullah Gülen oder Muhamad Husain Fadlallah gehen sehr weit in ihrer Interpretation des Koran. Sogar so weit, dass sie sagen: die­ses Dokument ist eines, das gese­hen wer­den muss als eine Art Lebensanweisung, die zur Zeit Mohammads als modern anzu­se­hen war. Heute jedoch nur noch erzäh­le­ri­schen Charakter haben kann; da die Entwicklung wei­ter gegan­gen ist.
Das sind tat­säch­lich Gedanken, die denen der (christ­li­chen) Aufklärung schon sehr nahe kom­men.

Der Islam steht nicht grund­sätz­lich zu den Werten der Moderne im Widerspruch. Viele for­dern ein neues Isalmverständnis. Diese hier­zu­lande weni­gen bekann­ten Ansätze stellt die­ses Buch vor.  (Quelle: Aus dem Klappentext)

Das ist – wie gesagt – rich­tig. Aber lei­der ist die­ses Buch nur einer Fachleserschaft zuzu­mu­ten (zu der ich mich nicht zähle) und daher nur sehr bedingt zu emp­feh­len.
Schade. Denn gerade die­ses Thema ver­dient auch und ins­be­son­dere in Deutschland ver­mehr­ter Aufmerksamkeit.

Nic

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