iranische Blues-Rock Band Kiosk kommt nach Berlin

[via Mail]

Liebe Freunde,

demnächst werden wir die iranische Blues-Rock Band Kiosk im Rahmen ihrer Europa-Tournee auch in drei Städten Deutschlands live erleben können.

Köln: 16. Nov. in Bürgerhaus Stollwerck
Dreikönigenstr. 2350678 Köln
Ticketverkauf: Tel.: 0221-923 57 07

Berlin: 19. Nov. in C-Club
Columbiadamm 9-11
10965 Berlin
Ticketverkauf: Tel.:030-32 70 55 22

Hamburg: 20 Nov. in StageClub
Stresemann Str. 163
22769 Hamburg
Ticketverkauf: Tel.: 040-209 135 35

Onlineverkauf: http://www.artbeatgroup.com/event.html

Bekannt als “Pioniere des iranischen Rock” (Berliner Tageszeitung), ist Kiosk derzeit die einflussreichste und beliebteste iranische Band, hoch gelobt für ihre scharfen und satirische Texte, sowie ihre einzigartige Mischung aus Musikstilen von Rock, Gypsy, Jazz bis hin zu iranischem Folk. Gegründet in einem Teheraner Keller im Jahr 2003 wurde Kiosk durch das islamische Regime daran gehindert, in der Öffentlichkeit aufzutreten oder ihre Aufnahmen zu veröffentlichen. Die Mitglieder der Band verließen den Iran und wanderten nach Nordamerika aus. Seit 2005
hat die Band drei Alben – Ordinary Man, Amor de la Velocidad und Global Zoo herausgegeben, die von den Kritiken in den höchsten Tönen gelobt wurden.

Kiosks Musik drückt die Erfahrungen des Erwachsenwerdens in der repressiven Umfeld des post-revolutionären Iran aus. “Kiosk’s stechende politische Satire verbirgt sich in ihrem Blues und volkstümlicher Musik”, schreibt der BBC World Service.

Kiosk wird auf einer Zehn-Städte Tour in Kanada und Europa im November dieses Jahres ihr aktuelles Album “Triple Destillied: Live at Yoshi’s” vorstellen. Es wurde diesen Sommer in San Francisco live aufgezeichnet und ist eine Mischung aus brandneuen und älteren, bekannten Songs.

Kiosk, die Pioniere der iranischen Rockmusik sollte man nicht verpassen.

Nic

Wie man Hassprediger stoppt

Der LSVD Berlin hat den Dialog mit den Muslimen gesucht. Und offene Ohren gefunden. Jörg Lau dazu: “Der Lesben-und Schwulenverband Berlin zeigt wie man’s macht.”

Das am morgigen Samstag in Berlin-Neukölln geplante „Islam-Seminar“ der drei radikalsten islamistischen Hassprediger Deutschlands wurde laut Nachrichtenagentur dapd kurzfristig abgesagt. Die Prediger Abu Dujana, Abdullatif und Ibrahim Abou-Nagie hetzen gegen Homosexuelle und legitimieren dabei Gewalt und die Ideologie des bewaffneten Dschihad. In der Bangladesch-Moschee Baitul Mukarram im Neuköllner Schillerkiez sollte das Seminar stattfinden.

Ein Großteil der Berliner Moscheen hatte bereits in den vergangenen Wochen einen Auftritt der drei Islamisten abgelehnt. Nach kritischen Berichten in der Tagespresse hat auch der Trägerverein der Moschee Baitul Mukarram die zunächst zugesagte Veranstaltung abgesagt. (Quelle: LSVD Berlin)

Glückwunsch an den LSVD und ich hoffe, das Beispiel macht Schule.

Nic

Terry Jones – Douglas Adams’ Raumschiff Titanic

[Erstveröffentlichung: 16. Juni 2009]

Das Buch zum Spiel.
Ich find allein schon die Idee witzig, dass es ein Buch zu einem Spiel gibt; nicht das berühmte “Buch zum Film” bei dem oft das Buch viel älter als der Film ist (und insofern die Bezeichnung völlig unsinnig ist), ist es hier so, dass es ein Computerspiel “Raumschiff Titanic” gibt, das auf einer Idee von Douglas Adams beruht – und an deren Umsetzung er mitarbeitete. Und drum keine Zeit und Lust hatte, ein – vom Verlag gefordertes – Buch dazu zu schreiben.
Also bat er seinen alten Freund Terry Jones, dies zu tun. Terry ist einer der Begründer von Monty Python – und genau so ist das Buch: Absurd. Komisch. Unsinnig.

Die Idee zu Raumschiff Titanic erblickte das Licht der Welt… vor vielen Jahren war sie nichts weiter aus eine kleine Abschweifung in Das Leben, das Universum und der ganze Rest gewesen. Ich schrieb damals, das Raumschiff Titanic hätte kurz nach seiner Jungfernfahrt ein Spontanes Massives Existenz-Versagen erlitten. (Nachwort von D. Adams; Seite 249)

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Martin Cruz Smith – Polar Star

[Erstveröffentlichung: 13. Juni 2009]

Ich muss nun zugeben: es ist in etwa immer das gleiche Strickmuster, nach dem die Arkadi-Renko-Romane gestrickt sind:
Der einsame, unverstandene, gegen alle kämpfende Renko auf der einen, die undurchsichtigen, in Gruppen handelnden “Bösewichte” auf der anderen Seite. Und immer wieder eine Frau mit der Arkadi nicht beisammen bleiben kann.

Nichtsdestotrotz: auch “Polar Star” ist wieder ein Roman voller Spannung; man fiebert mit seinem Helden mit (und schlägt sich manchmal vor den Kopf, wenn Renko wieder einmal leichtsinnig und allein in die sichtbare Gefahr rennt). Und die Spannung bleibt (auch hier wieder) bis zum Ende des Buches aufrecht erhalten. Ja, ich habe das Buch regelrecht verschlungen, nur, um die Lösung des Falles zu erfahren.

Die Polar Star ist ein Fischverarbeitungsschiff, das in der Beringsee unterwegs ist. Und – natürlich – beginnt die Story damit, wie eine Tote sich im Fischnetz verfängt und Arkadi mit der Ermittlung des Falles beauftragt wird – obwohl er als einfacher Arbeiter auf dem Schiff arbeitet. Die Zeit zwischen Gorki Park und der Heuer auf der Polar Star wird kurz skizziert. Seine Flucht führt ihn durch Sibirien und lässt ihn auf dem Schiff stranden.

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“Unser Wasser” im Endspurt

Am kommenden Dienstag (26.10.2010)  wird die Unterschriftensammlung für das Volksbegehren beendet werden (müssen). Nach aktuellen Meldungen “sind der Landeswahlleiterin insgesamt über 155.000 Unterschriften zur Überprüfung abgegeben worden. Zu einem erfolgreichen Abschluss des Volksbegehrens sind 172.000 gültige Unterschriften erforderlich. Erfahrungsgemäß werden rund 9 Prozent der eingereichten Unterschriften als ungültig zurückgewiesen, so dass noch mindestens 35.000 Unterschriften benötigt werden.” Das heißt: Endspurt! Alles mobilisieren, was möglich ist. Das heißt vor allem: Abgabe der bereits ausgefüllten Unterschriftslisten!

Vielleicht kann den einen oder anderen Berliner Leser des Blog dieses aktuelle ZIBB-Video überzeugen:

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Was unsere Gesellschaft zusammenhält

Seid endlich universal: “Multikulturalismus” und “deutsche Leitkultur” sind gleichermaßen Irrwege

Von Richard Herzinger

In der Einwanderungsdebatte ist allenthalben von einer Erscheinung die Rede, die in spöttischer bis hämischer Verniedlichung “Multikulti” genannt wird. Zuletzt meinte Angela Merkel: “Zu sagen, jetzt machen wir hier mal Multikulti und leben so nebeneinander her und freuen uns übereinander: Dieser Ansatz ist gescheitert, absolut gescheitert.” Und Horst Seehofer ergänzte: “Wir als Union treten für die deutsche Leitkultur und gegen Multikulti ein. Multikulti ist tot”.

Freilich versäumte es auch der CSU-Chef einmal mehr zu definieren, was er unter dieser “deutschen Leitkultur” eigentlich genau versteht. Werden Unionspolitiker darauf angesprochen, verweisen sie meist auf die im Grundgesetz verankerten Freiheitswerte und -rechte einer offenen, demokratischen Gesellschaft. An diesen Werten ist jedoch nichts spezifisch Deutsches. Es sind die universalen Werte von Aufklärung und Menschenrechten, die sich, ausgehend von ihrer Formulierung in den Verfassungen der USA und Frankreich, gegen heftige und katastrophale Widerstände schließlich auch in Deutschland durchgesetzt haben. Und wenn Politiker dem Ulkwort “Multikulti” die Phrase von der “deutschen Leitkultur” entgegenhält, entgeht ihnen – aus agitatorischer Oberflächlichkeit oder historischer Unbildung – eine Pointe: Sie folgen damit der antiuniversalistischen Logik eben jener Ideologie des “Multikulturalismus”, die sie als läppische Verirrung abtun wollen. [...]

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Stellungnahme des Deutschen Instituts für Menschenrechte

Zur eben veröffentlichten Pressemeldung des Deutschen Institutes für Menschenrechte gibt es auch eine Stellungnahme:

Menschenrechte müssen Grundlage der Debatte um Integration und Zuwanderung sein

Ressentiments gegenüber Muslimen, wahlweise und austauschbar verwendet auch gegenüber „Türken“ und „Arabern“, werden zunehmend öffentlich ausgesprochen.
Inzwischen betreiben auch im politischen Raum einzelne Akteure eine solche Stigmatisierung von ganzen Bevölkerungsgruppen. So wird eine Stimmung der Abwertung und Ausgrenzung von Menschen erzeugt und einer Spaltung der Gesellschaft Vorschub geleistet. Äußerungen und Veröffentlichungen, die Ausgrenzung und Diskriminierung von Menschen forcieren und damit deren Abwertung befördern, kann eine auf Menschenrechten basierende Gesellschaft nicht hinnehmen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte erinnert daher an die Menschenrechte als Grundlage für die gegenwärtige Integrations- und Zuwanderungsdebatte.

I.

Zu oft wird derzeit in Frage gestellt, was vor einigen Wochen in der Öffentlichkeit und in der Politik noch selbstverständlich erschien: die Gleichheit aller Menschen und der Respekt vor der Individualität, Freiheit und Würde jedes Einzelnen. Es geht dabei um fundamentale Grundsätze unserer Verfassungsordnung und damit um Grundlagen eines demokratischen und auf Menschenrechten ruhenden Gemeinwesens, das in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland entwickelt und gefestigt wurde. Dem Grundgesetz und der Kodifizierung universell gültiger Menschenrechte nach 1945 liegen die Einsicht und Anerkennung zugrunde, dass alle Menschen in ihrer Würde und in ihren Rechten gleich sind. Diese Grundsätze und damit das Verbot von Diskriminierung bilden das Fundament einer demokratischen Gesellschaftsordnung.
Wer Menschen zu Gruppen zusammenfasst und ihnen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, ihrer „Kultur“ oder ihres Herkunftsstaates pauschal bestimmte Eigenschaften zuschreibt, wie etwa Integrationsunfähigkeit, negiert fundamentale völker- und verfassungsrechtliche Prinzipien der Gleichheit und Nichtdiskriminierung. Wer Menschen so kategorisiert und stigmatisiert, spricht ihnen ihre Würde ab. Weiterlesen

Menschenrechte müssen Grundlage der Debatte um Integration und Zuwanderung sein

Pressemitteilung

Menschenrechtsinstitut: Menschenrechte müssen Grundlage der Debatte um Integration und Zuwanderung sein

Das Deutsche Institut für Menschenrechte fordert die Beachtung der Menschenrechte in der gegenwärtigen Integrations- und Zuwanderungsdebatte.
„Stereotypisierungen und Stigmatisierungen von Menschengruppen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit, ‚Kultur’ oder nationalen Herkunft durch den Staat und seine Repräsentanten stünden im Widerspruch zu den menschenrechtlichen Verpflichtungen Deutschlands“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Instituts.

Regierung und Parlament seien besonders aufgefordert, die Koordinaten, die sich durch die gegenwärtige Debatte verschoben hätten, wieder zurechtzurücken, erklärte Beate Rudolf, Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, anlässlich der Veröffentlichung der Stellungnahme. Diese müssten Ausgrenzung und Diskriminierung entgegentreten, um den Schutz vor Diskriminierung als fundamentalen Grundsatz unserer Gesellschaftsordnung aufrecht zu erhalten. Den Medien komme hier eine wichtige Aufklärungs- und Kontrollfunktion zu. Auch Parteien, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften und Religionsgemeinschaften sollten gegen Diskriminierung und Ausgrenzung klar Position beziehen. Weiterlesen

Deutsche Gerichte wenden Scharia an

(dpa) “Es gilt das Grundgesetz, und nicht die Scharia”, sagte Angela Merkel. Im SPIEGEL widersprechen nun führende Rechtsexperten der Kanzlerin. Vor allem in Familien- und Erbrechtsfällen würden sich deutsche Gerichte in ihren Urteilen häufiger auf die Scharia berufen.

Berlin – In der Debatte um die Bedeutung des Islam für die deutsche Gesellschaft widersprechen führende Rechtsexperten Bundeskanzlerin Angela Merkel Die CDU-Politikerin hatte behauptet, die Scharia gelte in Deutschland nicht. “Wir praktizieren islamisches Recht seit Jahren. Und das ist auch gut so”, sagte Hilmar Krüger, Professor für ausländisches Privatrecht an der Universität Köln, dem SPIEGEL.

Vor allem im Familien- und Erbrecht fänden Normen der Scharia Anwendung. So werden etwa Jordanier in Deutschland nach jordanischem Recht verheiratet – und eschieden. Und sogar Frauen, die in ihrem Herkunftsland rechtmäßig eine polygame Ehe eingehen, können in Deutschland Ansprüche geltend machen: Unterhaltszahlungen, vom Ehemann erworbene Anrechte auf Sozialleistungen und einen Teil des Erbes.

Immer wieder berufen sich deutsche Richter auf die Scharia: So lehnte das Bundessozialgericht in Kassel vor einigen Jahren die Klage einer Marokkanerin mit dem Verweis auf islamisches Recht ab. Die Witwe hatte sich geweigert, die Rente ihres Mannes mit der Zweitfrau zu teilen. Beiden Gattinnen stehe der gleiche Rentenanteil zu, betonten die Richter.

In einem anderen Verfahren gestand das Oberverwaltungsgericht in Koblenz auch der Zweitfrau eines Irakers eine Aufenthaltsbefugnis zu. Nach fünf Jahren Ehe in Deutschland sei es ihr nicht zuzumuten, allein in den Irak zurückzukehren. In Köln verpflichteten Richter einen Iraner, nach der Scheidung 600 Goldmünzen Morgengabe an seine Ex-Frau zu zahlen. Sie stützten sich dabei auf die in Iran geltende Scharia. Zu einem ähnlichen Urteil kam das Oberlandesgericht Düsseldorf, das einen Türken zu 30.000 Euro Morgengabe an seine ehemalige Schwiegertochter verurteilte. Weiterlesen

Martin Cruz Smith – Gorki Park

[Erstveröffentlichung: 12. Juni 2009]

Das also ist der erste “Arkadi-Renko-Roman” – wenn auch nicht mein erstes Cruz-Smith-Buch.
Bereits hier wird der anpassungsunfähige Chefermittler der Moskauer Staatsanwaltschaft dem Leser vorgestellt: ein Antiheld; einer, der sich nicht in das Gefüge der sowjetischen Gesellschaft der späten 70iger Jahre einpassen (lassen) will. Der häufig scheiternde, häufig Geschlagene und doch immer moralisch siegende Arkadi Renko.

In einer korrupten Gesellschaft bewahrt sich Renko Menschlichkeit; ein nur ungern gesehenes Gut. Im Strudel der Ereignisse fast versinkend klärt er drei Mordfälle im Moskauer Gorki Park (!) auf. Dabei jedoch stellt er sich gegen den KGB, gegen seinen eigenen Staatsanwalt und die überbordende Bürokratie des Landes.
Letztlich werden aus den drei Leichen im Gorki-Park sieben oder acht (das ist ein Manko Cruz Smith’ ersten Romanes: es stirbt sich zu schnell)… die letzten davon in der Nähe von New York.

Renko gerät in diese Misere (grandios geschildert, wie er in die Vernehmungsfänge des KGB gerät, gefoltert vernommen wird und seinen Scharfrichter menschlich werden lässt)… weil er liebt! Anders als in den anderen bisher gelesenen Büchern liebt Renko im „Stalin Park” tatsächlich. Und überlebt nur deshalb.

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