[Erstveröffentlichung: 21. September 2009]

boldt evolution Peter Boldt   Die Evolution des Glaubens und der EthikDer Professor für Organische Chemie und Gruppentrainer Peter Boldt stellt in die­sem Buch die These auf, dass Religionen einen evo­lu­tio­nä­ren Vorteil boten. Familien, Gruppen, Sippen und spä­ter Völker haben nach Boldt durch den Zusammenhalt, den Glauben und Religion bie­ten, sich gegen­über ande­ren Gruppen abgren­zen und den eige­nen Zusammenhalt stär­ken kön­nen.

Boldt wider­spricht mit sei­ner These der von Dawkins im „Gotteswahn“ auf­ge­stell­ten. Richard Dawkins stellt darin Glauben und Religion als Nebenprodukt der mensch­li­chen Entwicklung dar, was auch mir etwas hilf­los bzw. ober­fläch­lich vor­kam.
Hingegen erscheint mir die Idee von Boldt schlüs­sig und nach­voll­zieh­ba­rer. Denn auch mein eige­ner Eindruck – und sehr aktu­el­ler Eindruck – ist, dass sich Gruppen und Gemeinschaften sehr wohl über ihre Religionszugehörigkeit defi­nie­ren; auch wenn sie sonst nicht viel gemein­sam haben. Zudem würde die Boldt’sche These auch Erklärung lie­fern für das aktu­elle Erstarken von Religionen in ihrer extrems­ten Ausprägung. Denn wo die Welt sich immer glo­ba­ler zeigt, da kann eine strikte Religion ein Wir-Gefühl erzeu­gen, dass sich für den Einzelnen wohl­tu­end vom unver­ständ­li­chen Außen abgrenzt.
So schreibt Boldt dann auch über Untersuchungen, die den Nachweis brin­gen, dass reli­giöse Menschen oft mit Streßsitationen bes­ser umge­hen kön­nen (und diese sich sel­te­ner in psycho-somatischen Erkrankungen nie­der­schla­gen). Das so jedoch so ste­hen zu las­sen, würde der athe­is­ti­schen Über­zeu­gung des Autors natür­lich nicht ent­spre­chen. Und so ver­sucht er einen Beweis anzu­tre­ten, dass sich in der moder­nen Welt ethi­sche und mora­li­sche Werte auch aus ande­ren als reli­giö­sen Quellen spei­sen las­sen.

Das ist der Bogen, den das Buch span­nen möchte. Allerdings gibt es mei­ner Meinung nach auch ein paar erheb­li­che Schwachpunkte im Text. So schreibt Boldt bereits am Anfang sei­nes Buches dar­über, dass reli­giöse Menschen des­halb mehr Kinder (als ver­gleich­bare Nichtgläubige) haben, weil sie zufrie­de­ner mit ihrem Leben sind. (Seite 50) Dabei igno­riert er, dass Kinderreichtum vor allem eines bedeu­tet: grö­ßere Armut. Er ver­gisst, dass durch das Verbot der Verhütung z.B. der katho­li­schen Kirche diese Kinder bei wei­tem nicht in glück­li­chere Familien hin­ein­ge­bo­ren wer­den. Insofern bin ich der Auffassung, dass Boldt an die­ser Stelle Ursache und Wirkung ver­wech­selt.

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Über den Autor

Nic

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