Sonntag , 19 Mai 2013
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ALARM !!! Iraner in Abschiebehaft!!!

IranSoeben erreichte mich diese (wei­ter­ge­lei­tete) Mail:

Von: “The VOICE Refugee Forum Jena”
Datum: 28. Oktober 2010 18:07:40 MESZ

Abschiebung aus Gerstungen! Zum Verschwinden der Familie Meamarbash

Reza Meamarbash, Aktivist der Flüchtlingscommunity Gerstungen und seine Familie, wer­den von Gerstungen nach Holland abge­scho­ben

In der Nacht von Montag, 25.10 auf Dienstag, 26.10.2010 wurde Reza Meamarbash aus Iran mit­samt sei­ner Frau und sei­nen zwei Kindern gegen 3.30 Uhr im Asylbewerberheim von Gerstungen, Wartburgkreis, von der Polizei ver­schleppt. Der Familie wurde erst vor Ort mit­ge­teilt, dass sie nach
Holland abge­scho­ben wird und für ihr unfrei­wil­li­ges Verschwinden etwa eine halbe Stunde hätte, um alle Sachen zusam­men­zu­pa­cken. Es konnte weder ein Anwalt ein­ge­schal­tet wer­den, noch Angehörige oder andere Unterstützer benach­rich­tigt wer­den.

Die bis­her ein­zige Meldung erfolgte von Reza Meamarbash per Handy aus dem Flughafengefängnis einer  nordrhein-westfälischen Stadt, wahr­schein­lich Dortmund. Seitdem ist nur bekannt, dass sie nach Holland gebracht wer­den soll­ten. Rezas Handy ist aus­ge­schal­tet. Es wird davon aus­ge­gan­gen, dass sich die gesamte Familie in Abschiebehaft in Holland befin­det.

Reza Meamarbashs Familie lebte neun Monate lang im Flüchtlingsisolationslager (http://thevoiceforum.org/taxonomy/term/23) in Gerstungen, bevor sie durch die Abschiebepolizei gewalt­sam und ohne vor­he­rige Warnung durch die Abschiebebehörden ver­schwan­den.

Wir haben Angst, dass sich seine Situation ohne jeden Schutz ver­schlech­tern wird und dass ihm nach einer Abschiebung in den Iran Verfolgung droht.

Reza wurde aus Gerstungen depor­tiert, weil er seine Redefreiheit in Anspruch genom­men hat, wegen sei­ner Liebe zur Harmonie und wegen sei­nes Eintretens für eine bes­sere Situation im Heim und in der
Flüchtlingscommunity.

Reza Meamarbash begann sein Engagement in The VOICE am 16. Mai 2010 wäh­rend des Vorbereitungstreffen der Thüringer Flüchtlinge in Erfurt für das Karawane-Festival „Vereint gegen kolo­nia­les Unrecht“. Er enga­gierte sich in der Initiative der Flüchtlingscommunity des Gerstunger
Isolationslagers, um nor­male Wohnungen für die Flüchtlinge aus dem Lager und die Schließung des Lagers zu for­dern, das die Flüchtlinge ohne jeg­li­che Perspektive iso­liert.

Die Familie Meamarbash hatte sich mit den ande­ren Flüchtlingen zusam­men­ge­schlos­sen, um Treffen und Diskussionen über die Situation im Flüchtlingsheim zu orga­ni­sie­ren, die zu dem öffent­li­chen Druck durch die Medien und die Dokumentation über das Isolationslager von The VOICE Refugee Forum beige­tra­gen haben.

Er betei­ligte sich an der Entstehung des ers­ten Berichts der Karawane-Festival- Delegation nach Gerstungen und Ganglofsömmern im Mai 2010.

Er unter­stützte die letzte Station der Thüringer Lager-Tour im August, die in Gerstungen Halt machte.

Er war einer der Protagonisten des ers­ten Video-Reports von The VOICE Jena über das Heim in Gerstungen. Er ist darin zu sehen, wie er dem Filmteam die Situation in den Duschräumen und Toiletten der Flüchtlinge im Keller des Hauses prä­sen­tiert.

Seine Familie schloss sich dem Protest gegen die Feier der Interkulturellen Woche durch den  Innenminister am 25. September in Bad Salzungen an und machte vor allen Konferenzteilnehmern unter dem gro­ßen Beifall des Publikums auf die Situation in Gerstungen auf­merk­sam.

Seit der Produktion der Video-Dokumentation im August hat die Familie sich an den wöchent­li­chen Initiativen der Flüchtlingscommunity betei­ligt, zusam­men mit Delegationen von The VOICE und ande­ren BesucherInnen aus Thüringen, Hamburg und Berlin sowie AktivistInnen und JournalistInnen die Situation im Heim zu doku­men­tie­ren.

Wir infor­mie­ren alle AktivistInnen und UnterstützerInnen dar­über, dass Rezas Abschiebung in engem Zusammenhang mit sei­nem akti­ven Engagement steht, die Öffent­lich­keit über die unmensch­li­che Situation im Flüchtlingslager zu auf­zu­klä­ren. Seine Abschiebung ist Bestandteil der nor­ma­len Furcht, mit der die Selbstorganisierung der Flüchtlingscommunity und ihr Protest gegen die unmensch­li­che Situation in Gerstungen ein­ge­schüch­tert wer­den soll.

Die Gerstunger Behörden stan­den unter dem Druck, die Flüchtlinge vom Sprechen abzu­hal­ten und bedien­ten sich der Mittel des Hausverbots und der Kontrolle und Einschüchterung von Besuchern – ohne recht­li­che Grundlage zur Rechtfertigung der Missbräuche.

Seine Abschiebung fand statt vor dem in Bad Salzungen ange­kün­dig­ten Treffen mit dem Innenminister, das viel­leicht diese Woche statt­fin­den wird.

Reza hatte uns letz­ten Freitag dar­über infor­miert, dass er seit der Veröffentlichung des Videos, in dem er auf­ge­tre­ten ist, durch die Heimleitung gemobbt wurde, die ihn auf­for­derte, in sein Land zurück­zu­ge­hen und ihm Strafmaßnahmen ankün­digte für all das, was er über das Heim ver­öf­fent­licht hätte. Wir baten ihm, mit sei­nem Anwalt regel­mä­ßi­gen Kontakt zu hal­ten und sicher­ten ihm poli­ti­sche Unterstützung
zu. Jetzt ist er aus sei­ner Gemeinschaft her­aus­ge­ris­sen und depor­tiert wor­den.

Wir pro­tes­tie­ren gegen die hin­ter­häl­tige Abschiebung der Familie unse­res Aktivisten Reza Meamarbash und pro­tes­tie­ren gegen die Einschüchterungsversuchen gegen­über dem Kampf der Flüchtlinge für ihre
Freiheit!

Wir brau­chen eure Unterstützung!

Wir brau­chen drin­gende Unterstützung, um unsere Solidarität mit Reza und sei­ner Familie und der Flüchtlingscommunity in Gerstungen zum Ausdruck zu brin­gen und ihnen zu ver­mit­teln, dass wir an ihrer Seite ste­hen.

Unsere Solidarität gilt der Emanzipation unse­res Empowerments für mensch­li­che Würde und Gerechtigkeit für alle, die in Deutschland ohne Rechte leben.

Der Kampf gegen die Isolationslager geht wei­ter!
Die unmensch­li­che Behandlung derer, die im Heim leben, und die Kontrollmaßnahmen gegen­über denen, die sie besu­chen, brin­gen vor allem die Heuchelei der Assimilation unter dem Gesetz von Law-and-Order im Namen einer Integration ohne glei­che Rechte zum Ausdruck.
Nach dem Spiegel Online Bericht: “Ich lebe nicht in Deutschland, son­dern im Lager” von Annette Langer vom 15. Oktober 2010 und den frü­he­ren, sehr hilf­rei­chen Berichten von Gitta Düperthal in der Jungen Welt stan­den die Behörden unter dem Druck, die Medien zu mani­pu­lie­ren und Journalisten abzu­wei­sen und sie ein­zu­schüch­tern, indem selek­tiv Informationen über das Heim in Gerstungen kon­trol­liert wur­den. Wir wis­sen, dass sie unter dem Druck ste­hen, sich selbst vom öffent­li­chen Interesse zu iso­lie­ren und sich ihrer Verantwortung zu ent­zie­hen. Dazu gehö­ren auch die Widersprüche in den Aussagen und den öffent­li­chen  Handlungen der Behörden des Landkreises Gerstungen. So wur­den Rita Specht (TLZ, 19.10. 2010) bei­spiels­weise Informationen über den Betreiber des Heims und die Renovierungskosten
ver­wei­gert, wobei man ver­ges­sen hat, dass man diese Informationen schon ein­mal ver­öf­fent­licht hatte, bevor der öffent­li­che Druck begon­nen hatte.

Sie kön­nen sich nicht zu lange ver­ste­cken, denn wir haben unser Auge auf sie gewor­fen und sie wer­den sich nir­gends ver­ste­cken könne.

Es ist genug,  wei­ter­hin über die Situation des Flüchtlingslagers zu berich­ten und unsere Solidarität zum Ausdruck zu brin­gen, mit den Flüchtlingen im Heim zusam­men­zu­ar­bei­ten und die Aktivisten zu regel­mä­ßi­gen Berichten, Dokumentationen und Medienpräsentationen über Gerstungen zu ermu­ti­gen, um die Autoritäten zu kon­fron­tie­ren und ihnen zu zei­gen, dass wir bestän­dig und stand­haft genug sind, unsere Aufgabe wei­ter­zu­füh­ren, weil das Lager sofort geschlos­sen wer­den muss. Wir spre­chen über das, was wir von dem Lager sehen und wis­sen.

Bitte, seid so frei und schließt euch uns an, um die Flüchtlings-Isolationslager in Deutschland Vergangenheit wer­den zu las­sen.
Wir haben es frü­her geschafft und wir kön­nen immer noch mehr tun, um die Lager zu schlie­ßen.

Wir schlie­ßen uns zusam­men gegen Isolationslager, Abschiebungen und die Beschränkung der Bewegungsfreiheit von Flüchtlingen.

Seit dem Karawane-Festival enga­giert sich The VOICE Jena für eine Langzeitdokumentation zu Flüchtlingsheimen und alter­na­ti­ven Medienstrukturen für die Flüchtlingscommunitys. Wir haben vor, zu vier alten Isolationslagern/Ghettocamps in Thüringen (Gangloffsömmern, Gerstungen, Zella-Mehlis und Breitenworbis) zu arbei­ten. Print – und Onlinematerial und Medienprojekte sol­len erar­bei­tet wer­den und Heimbesuche und Workshops wer­den auf bun­des­wei­ter Ebene orga­ni­siert wer­den.
Alles, wofür wir kämp­fen, ist das Recht auf ein Leben in Würde – mit einer hohen Erwartungshaltung und ohne Bedauern!

Solidarität ist die ein­zige Waffe, die wir brau­chen, um das Schweigen der Isolation und die Angst zu bre­chen, um ihre Einschüchterung und Unterdrückung zu bewäl­ti­gen und die Freiheit wie­der­zu­ge­win­nen. Unser Dasein in Würde ist unser höchs­ter Wert.

Unterstützt die Kämpfe der Flüchtlinge durch euer per­sön­li­ches Engagement, durch eure Solidarität, durch eure Besuche, durch euren Protest und eure Zeugenschaft!

Gerstungen Flüchtlingsisolationslager
(http://thevoiceforum.org/taxonomy/term/23)

Bitte sen­det Solidaritätsbriefe an die Flüchtlingscommunity in Gerstungen

Nassan Hussen
C/o Refugee Community Gerstungen
Gemeinschaftsunterkunft Gerstungen, Am Berg 1,
99834 Gerstungen

*****

Protestbriefe an das Landratsamt.
Landratsamt Wartburgkreis
Wartburgkreis-Landrat Reinhard Krebs.
Erzberger Allee 14
36433 Bad Salzungen
Email.: landrat@warburgkreis
Telefon: 03695 615101
Telefax: 03695 615199

Auch finan­zi­elle Hilfe für die Besuche, Treffen und Workshops in den Flüchtlingsheimen und die Dokumentation wird benö­tigt und ist steu­er­lich absetz­bar.

Spendenkonto:
Förderverein The VOICE e.V.
Sparkasse Göttingen
Kontonummer: 127829
BLZ: 260 500 01


siehe auch hier

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

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