[Erstveröffentlichung: 21. April 2009]

smoke smoke smoke Bittermann, Dobler   Smoke Smoke Smoke that CigaretteObwohl ich in jedem Buchladen, den ich betrete (und das sind einige) auch immer schaue, ob ich etwas zum Thema Tabak, Pfeife, Rauchen finde, ist mir die­ses Buch im letz­ten Jahr ent­gan­gen. Nun… nun habe ich es am Wochenende beim TAZ-Kongreß gefun­den und schon dort begon­nen zu lesen.

Und das macht Spaß! Ist es doch eine Sammlung, die kennt­nis­reich zusam­men­ge­stellt wurde von Klaus Bittermann und Franz Dobler. Eine Sammlung zum Teil wirk­lich amü­san­ter und manch­mal zyni­scher Texte zum Thema Zigarettenrauchen (das muss ich schon sagen, die Pfeifenfreunde sind in der abso­lu­ten Unterzahl). So wie ich das sehe, wur­den einige Texte direkt für die­ses Buch geschrie­ben; andere sind Teile grö­ße­rer Werke.

In einer Zeit, da die Raucher an den Rand der Gesellschaft gedrängt und regel­recht kri­mi­na­li­siert wer­den ist das sehr erfri­schend zu lesen: Wir sind nicht allein! Weder mit unse­rer Sucht noch mit dem Genusswillen. Der Untertitel des Buches lau­tet nicht umsonst: “Eine Verherrlichung des Rauchens“.

Das Buch ver­ei­nigt 50 Prosatexte und ein wun­der­vol­les Gedicht, das ich (ich hoffe, das ist kein Verstoß gegen das Urherberrecht) hier kom­plett abschreibe:

Über die Erzeugung von Wolken
(mit Pfeife im Mundwinkel vor­zu­tra­gen)
Michael Ziegelwagner

Wenn schon Rauchen, dann die Pfeife.
Hach! Das hap­ti­sche Erleben,
wenn ich nach der Pfeife greife,
kann nur sie – die Pfeife – geben.

Schon die Prozedur beim Stopfen
bremst die hek­ti­schen und schnel­len
Zeitgenossen – erst­mal klop­fen
wir, die intel­lek­tu­el­len

Pfeifenraucher unsre schlan­ken,
wohl­ge­bo­gnen Edelpfeifen
aus, und spü­ren die Gedanken,
die all­mäh­lich in uns rei­fen,

näm­lich: sieht als Pfeifenraucher
ele­gant man aus? Gediegen?
Wirkt als Pfeiftabakverbraucher
man im Stehen oder Liegen

sou­ve­rä­ner? Ist die inte-
llek­tu­elle Denkerpose
legi­tim oder nur Finte…?
Greifen wir zur Tabakdose

Pfeife stop­fen. Streichholz, Feuer.
Pusten, zie­hen, Glut ent­fa­chen.
Rauch zieht schwer durch das Gemäuer
und hält Einzug in den Rachen.

Dichte und kom­pakte Wolken
bal­len sich, Gedankenblasen
simu­lie­rend. Ihnen fol­gen
1.) innen Metastasen

2.) außen lei­ses Staunen:
“Schau mal da, der Mann raucht Pfeife!”,
hört man plötz­lich rundum rau­nen,
gilt auf einen Schlag als reife

Geistesgröße: “Lieber Meister,
ken­nen sie das Werk von Hegel?”,
fragt da einer, “Und ver­weist er
nicht auf Marx, den alten Flegel?”

…was man stir­ne­run­zelnd bekräf­tigt.
Ach! Der arme Geist, er will den
Worten fol­gen, doch beschäf­tigt
damit, neuen Rauch zu bil­den,

bleibt er abge­lenkt und träge.
Glut erzeu­gen, Glut bewah­ren…
Hegelweltgeist-Nervensäge!
Kannst Du nicht zur Hölle fah­ren?

Gut, man mag mich süch­tig nen­nen.
Sechs- bis acht­mal täg­lich brau­che
ich die Pfeife. Doch zum Brennen
braucht sie mich. Drum, wenn ich rau­che,

bil­det sich im Fall des Falles
nicht so was wie – Symbiose…?
Gut gedacht! Ist doch nicht alles
Intellektuellenpose!

Seite 191

Und auch weil auf Seite 147 auf die Kneipe auf der mei­ner Wohnung gegen­über­lie­gen­den Straßenseite ver­wie­sen wird, kann ich die­ses Büchlein emp­feh­len. Große Literatur ist nicht zu erwar­ten. Aber eine amü­sante Lektüre für die “letz­ten Aufrichtigen”, “Sich-Gegen-den-Strom-Stemmenden”; für Genuß- und Abhängigkeitsraucher.

Nic

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Nic

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