Richard Dawkins – Der Gotteswahn
[Erstveröffentlichung: Januar/Februar 2009]
Ich habe es versprochen und nun auch gehalten: ich habe “Der Gotteswahn” von Richard Dawkins gelesen; ach, was sag ich; verschlungen.
Seine Ideen waren mir ja durch die Bücher (u.a.) von Michael Schmidt-Salomon bekannt; aber wie Dawkins selbst schreibt, das weniger. Und es lohnt sich, ihn zu lesen! Mir ist schon klar, woher Schmidt-Salomon seine Art Humor hat – er ist Dawkinianer… Und das kann ich nachvollziehen.
Vielleicht wurde nicht nur ich damit konfrontiert, dass die Scientologen mir Zettel in die Hand stopfen wollten, auf denen sie mit Einsteins Konterfei werben und meinen, diesen zu Ihrem Fürsprecher machen zu können. Umgekehrt würde man dies Blasphemie nennen.
Auch Dawkins geht auf die Religiosität der Naturwissenschaftler ein; also auf das, was diese (zum Beispiel Einstein) als solche benannten:
Eine geradezu mystische Reaktion auf Natur und Universum ist unter Naturwissenschaftlern und Rationalisten weit verbreitet. Sie hat nichts mit einem Glauben an Übernatürliches zu tun. Seite 22
Weiter erklärt er dann, dass diese Art der religiösen Weltverehrung eher mit einem staunenden Wundern über die Dinge wie sie sind zu tun haben als mit der Idee eines, der die Welt gemacht hat.
Es fällt mir – ich gebe es zu – oft schwer, die Religionen zu kritisieren und ihnen den Respekt zu verweigern. Das macht es mir oft schwer, die Texte von Schmidt-Salomon oder den der Giordano Bruno Stiftung zu lesen. Weil ich mich für tolerant halte… und Schmidt-Salomon einen Text gegen genau diese Toleranz schrieb.
Nun verstehe ich das besser. Und will versuchen, dies nicht nur zu verstehen, sondern zu verinnerlichen:
Ich bin nicht dafür, jemanden nur um der Sache selbst willen zu beleidigen oder zu verletzen. Aber für mich ist es faszinierend und rätselhaft, dass die Religion in unserer ansonsten säkularen Gesellschaft derart unverhältnismäßige Vorrechte genießt. [...] Was ist das Besondere an der Religion, dass wir ihr einen so einzigartigen Respekt entgegenbringen? Seite 44
Dawkins weist explizit darauf hin, dass er in dem Buch der Religion so wenig Respekt entgegenbringen wird, wie diese den Atheisten. Dazu zitiert er ein Gespräch zwischen Robert Sherman (einem amerikanischen Journalisten) und George Bush senior:
Als dieser (Bush) gefragt wurde, ob er bei Amerikanern, die Atheisten sind, den gleichen Bürgersinn und Patriotismus erkennen könne, antwortete er:” Nein, ich finde nicht, dass man Atheisten als Bürger betrachten sollte, und man soll sie auch nicht für Patrioten halten. Das ist eine Nation unter Gott.” Seite63
Nun, man weiß inzwischen, welch gottgefälliges Werk der Sohn des Zitierten getan hat…
Ich brauche länger, um über das Buch “Der Gotteswahn” zu schreiben als es zu lesen. Doch nun will ich versuchen, über das Buch Abschließendes zu sagen. (Immerhin liegt das nächste: “Der entzauberte Regenbogen” bereits bereit.)
Dawkins beschreibt unter anderem auch an der Entstehung der “Religion” des fliegenden Spaghettimonsters über den Unfug, den Religionen aufgrund ihrer Allemachtsphantasien verbreiten. Und weist darauf hin, dass es nicht Sache der Religionskritiker sein sollte, die Wahrheit der Religionslehren zu widerlegen; sondern vielmehr ist es (wenn es denn überhaupt notwendig ist) Aufgabe der Religion, zu beweisen, dass es etwas gibt, dass die Religion logisch begründet.
Niemand von uns fühlt sich verpflichtet, all die unzählingen hergeholten Dinge zu widerlegen, die eine fruchtbare oder witzige Fantasie sich ausdenken kann. Nach meiner Erfahrung ist es eine amüsante Strategie, wenn ich auf die Frage, ob ich Atheist sei, darauf hinweise, dass der Fragesteller ebenfalls Atheist ist, nämlich in bezug auf Zeus, Apollo, Amon Ra, Mithras, Baal, Thor, Wotan, das Goldenen Kalb oder das Fliegende Spaghettimonster. Ich bin einfach schon einen Gott weiter. Seite 77
Dawkins definiert im Buch auch, was Darwin begann, auf der Ebene der Gene (das egoistische Gen!)… leider mangelt es mir an den Kenntnissen – ich habe das Gefühl, Etliches nicht verstanden zu haben was Dawkins hier beweist. Da muss ich wohl noch ein wenig mehr lesen und lernen. (Immerhin: ein – das – Buch von Darwin liegt auch schon bereit.)
Der Autor widerlegt im Buch zudem die irrige Annahme, dass Religionen für die Ausbildung einer Ethik notwendig seien. [Auch wenn es viele wissenschaftliche Erkenntnis innhalb kirchlicher Strukturen gab... wurden doch die Wissenschftler häufig genug von der Kirche verfolgt, wenn sich die Forschungsergebnisse nicht mehr mit den Glaubensbekenntnissen in Übereinstimmung bringen ließen.]
Das gleiche Experiment machte Tamarin auch mit einer … Kontrollgruppe. Eine andere Gruppe von 168 israelischen Kindern erhielt genau den gleichen Text aus dem Buch Josua, nur war hier der Name “Josua” durch “General Lin” und “Israel” durch “ein chinesisches Königreich vor 3000 Jahren” ersetzt. Jetzt ergab das Experiment das umgekehrte Verhältnis. Seite 356
Religion ist also verantwortlich für ethische Werte? Nun, wenn Völkermord ein ethisch wertvolles Element des menschlichen Miteinanders ist… dann sicher. Aber nur dann.
Religion ist zweifellos eine spaltende Kraft. Seite 359
spricht sie doch z.B. Frauen die Menschenrechte grundsätzlich ab.
Vom Kosovo bis nach Palästina, vom Irak bis in den Sudan, von Nordirland bis zum indischen Subkontinent sollte man sich alle Regionen mit unüberwindlicher Feindschaft und Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen einmal genau ansehen. Ich kann nicht dafür garantieren, dass Religionen immer das beherrschende Etikett für freundlichen und feindliche Gruppen sind. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Seite 360
Was mir ausnehmend gefällt bei Dawkins ist, dass er strikt trennen kann zwischen dem Unsinn, den Religionen als Lehre “verkaufen” möchten und dem, was die Bibel zum Beispiel als rein literarische Leistung darstellt.
Aber dass die Bibel ein Teil unserer Bildung sein muss, liegt nicht in erster Linie daran, dass sie eine wichtige Quelle der literarischen [und bildenden Kunst und] Kultur darstellt. Das Gleiche gilt auch für die Sagen über die griechischen und römischen Götter, die wir kennen lernen, ohne dass man uns aufforderte, daran zu glauben. Seite 474
Mir hat das Buch viele Anregungen gegeben – und wahrscheinlich endgültig Schluss gemacht mit meiner Toleranz gegenüber den Religionen die sich das Recht herausnehmen, namens ihres Glaubens befreit zu sein von Kritik und – noch wichtiger – sich außerhalb der Gesellschaft sehen wollen.
Wir müssen – denk ich – uns kaum mehr darüber wundern, weshalb es in unserem Land eine sog. “Parallelgesellschaft” gibt. So lange man “toleriert”, dass Religionen als Messer einer Gesellschaft fungieren… und so man den Verdacht hegt, dass dies nicht unerwünscht ist… so lange kann man über den “Kampf der Kulturen” schwadronieren ohne je an die Wurzeln der Gesellschaft zu rütteln.
Nic
Nachtrag:
Ich gebe zu: ich habe google bemüht um nachzusehen, ob meine Artikel zum diesem Buch dort erfasst sind (sind sie nicht, jedenfalls nicht auf den ersten Seiten). Und dabei fand ich einen relativ aktuellen Text (11.02.2009) im Blog “Der Spreeblick“, einen, den ich schon ab und an mal ganz gern lese.
Doch leider hat der Autor – Frédéric Valin – ein ganz anderes Bild vom Buch als ich (na ja, das solls geben…) aber die Kommentare dazu sind zum Teil richtig gut.
Denn genau für solche wie Dich, Frédéric, hat Dawkins das Buch geschrieben!
11 Responses to Richard Dawkins – Der Gotteswahn

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Hallo,
ich bin gerade dabei, das Buch von Dawkins zu lesen und je weiter ich darin komme (es ist ja ziemlich dick), umso mehr frage ich mich, wie ein vernünftiger Mensch an etwas wie Gott glauben kann. Zurzeit bin ich bei der Beweisführung, dass es für Ethik und Moral keinen Gott braucht. Sehr gut.
Übrigens hatte ich auch den Eindruck, dass MSS ein Dawkins-Fan sein muss. Ich hatte vorher sein Buch gelesen…
Gruß, Günter
Hallo Günter,
Danke für den Kommentar und Zuspruch.
Ja, seit Dawkins/MSS bemühe ich mich, zwischen Moral und Ethik zu unterscheiden – auch im normalen Sprachgebrauch. Wir sagen oft “Moral” bzw. “moralisch” wo wie “Ethik” bzw. “ethisch” meinen.
Lustig, dieses Missverständnis. Ausgerechnet für mich hat Dawkins das Buch nämlich nicht geschrieben.
Zwei Sachen fallen auf, wenn man mit Dawkinisten diskutiert und – obwohl man immer betont, selbst Atheist zu sein – dabei natürlich fortwährend als Gottesjünger verunglimpft wird. Erstens ist das der heroische Verweis auf die Anfänge der Wissenschaft, auf Kopernikus und Galileo, und wie viel sie riskiert haben. Und zweitens: dass die Leute, die sie heute dafür hochleben lassen (wie Dawkins) selbst nichts riskieren.
Tatsächlich haben sich doch die Verhältnisse umgekehrt: die einzige Institution, die es versteht, Kritiker wie Ketzer zu behandeln, ist inzwischen die Wissenschaft. Die Kirche, der Glaube das ist einer der wenigen Orte, wo man sich Widerstand noch leisten darf. Wo man noch anders denken darf. Deutschland, Europa ist inzwischen atheistisch durch und durch: wenn man diesem Wissenschaftsterror (“wahrscheinlich endgültig Schluss gemacht mit meiner Toleranz gegenüber den Religionen”) nicht mehr folgen mag, weil es sich so bedingungslos richtig anhört, weil es halt immer die Entscheidung zwischen Wahnsinn und Wahrheit ist, die da von einem gefordert wird, wenn man das also nicht mitmachen will, weil man glaubt, dass der Mensch frei sein muss und Entscheidungen treffen darf, dass es also immer mehr als eine mögliche Lösung geben muss, dann ist man sofort ein reaktionärer Idiot, egal, was man schreibt. Die Haltung allein ist entscheidend, stellt man dann fest, und fragt sich, warum sich die Leute überhaupt die Mühe machen, einen Text zu Dawkins zu schreiben, wo doch ein hochgestreckter Facebook-Daumen schon alles sagen würde. I like. Wer es nicht liked, ist raus, da hat man auch keine Toleranz mehr für, alles hat ein Ende, auch die eigene Geduld.
Andererseits: Ich kann verstehen, dass man mit seiner Geduld am Ende ist nach der Lektüre von Dawkins, weil das Buch rotzhohl ist und hierzulande offene Türen einrennt. Das Buch ist geschrieben worden für Leute, die die Schnauze voll haben davon, an irgendwas zu zweifeln. Allein schon der Satz “Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch.”, das ist doch eine Kapituation. Da steckt das genze Buch drin, da weiß man doch schon: der hat das mit dem Rückenmark geschrieben und sein Hirn nur für die Produktion von Kalauern benutzt. Mich ärgert am Ende wahrscheinlich gar nicht so sehr der Inhalt, sondern vielmehr diese Geisteshaltung, die früher die Kirche hatte und jetzt die Wissenschaft vertritt: hier richtig, da falsch.
Leck mich, Dawkins, sag ich dazu. Du, Dawkins, wirst nicht entscheiden, was richtig ist und was falsch, selbst wenn Du versehentlich hin und wieder etwas richtiges sagst. Da bin ich lieber im falschen, als dass ich Dir zustimme, Dawkins. Ich will frei sein, und Leute wie Dawkins, die machend as Gegenteil von Freiheit: die engen ein. Danke, nicht für mich, ich hab die Schnauze voll von Vorstellungsverboten. Soll man ihn halt witzig finden und pointiert, soll man halt Schluss machen mit der ganzen Toleranz und dem Kram, der Mühe macht, aber lohnt, soll man sich dabei halt auch super finden: ich find mich lieber unsuper. Und genau deswegen finde ich auch Dawkins ziemlich unsuper.
Nein, Nic, für Leute wie mich hat der das nicht geschrieben: Er hat das Buch geschrieben für Leute, die ihn soweiso schon super finden, das aber noch nicht wussten, weil sie noch nichts von ihm gelesen hatten. Und aber immerhin sich selbst total super finden, weil sie Dawkins super finden. Scheiß Wohlfühlmaschine, sag ich da, und: Es kotzt mich an. Sagt mir nicht, was ich denken soll, vielen Dank.
Das vorab: ich freue mich, dass Du darauf reagiert hast und rechne es mir als Ehre an, dass ein Spreeblick-Autor mich wahrnimmt.
Zu unserem Streit:
Kannst Du das begründen? Also wenn ich über die kath. Kirche nachsinne und insbesondere über die jüngsten – sehr wissenschaftsfeindlichen – Begründungen, die Benedikt so von sich gab, kommen mir daran doch ernstliche Zweifel.
Man muss Dawkins nicht mögen. Das Review ist inzwischen ja auch schon etwas älter und ich habe inzwischen eine etwas differenzierte Haltung zum Buch. Aber so in Bausch und Bogen verdammen wie Du? Woher rührt Deine Wut?
Ist es das, was Dich stört? Möchtest Du lieber in einer Diktatur, in einem Gottesstaat leben a la Iran? Das kann ich mir nicht ernstlich vorstellen. Zumal eines ganz sicher ist: eine solche Diskussion, wie wir sie hier führen, gäbe es dann nicht.
Ich vermute, Du meinst den Ton seines Buches, der oft den Anschein erregt, missionieren zu wollen. Also von der anderen Seite her. Du wirst ihm also Intoleranz vor, wenn ich Dich recht verstehe? Das ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen. Ich empfehle Dir dazu sehr Sam Harris’ Buch http://nicsbloghaus.org/2010/05/05/sam-harris-brief-an-ein-christliches-land/ – vielleicht verstehst Du dann, woher das rührt.
Ich bin ein großer Freund und Verfechter von Toleranz. Aber gegen Intoleranz muss man intolerant sein. Und so wie die religiöse Seite sehr intolerant gegenüber säkularen oder meinethalben atheistischen Forderungen und Weltsichten ist, so intolerant kann man ihnen auch nur entgegentreten.
Wenn Du das anders siehst – und danach sieht es ja aus – ist das ok.
Allerdings zeigt Dein Kommentar eher, dass Du intolerant gegenüber Meinungen und Haltungen bist, die Dir nicht genehm zu sein scheinen.
Das ist zwar elegant formuliert; aber ganz sicherlich falsch und nicht der Grund für dieses Buch. Für Dawkins gesamte Arbeit. Ich nenne das “Aufklärung”. Und von der historischen Aufklärung leben wir alle – und das relativ gut. Weil frei im Wort und im Gedanken.
Wer versucht das? Jeder soll und kann denken, was er will; glauben, woran er will, tun, was er will. Solange er nicht davon ausgeht, dass alle anderen das Gleiche denken, glauben und tun müssen.
PS: Kennst Du die anderen Bücher von Dawkins?
Kann man eigentlich auch einen Kommentar – resp. einen Streit flattrn? Euer Gespräch hätte das verdienst
Wenn der Klick von Dir war: Danke
Erstmal muss ich mich kurz entschuldigen. Der Ton meines Kommentars war nicht unbedingt angemessen. In der Sache bleibe ich dabei: dieses Buch ist als Selbstbeschwörung geschrieben worden.
Zuallererst: die Wissenschaft ist es, die inzwischen alle Lebensbereiche durchzieht, wie es früher die Religion getan hat. Im Körperdiskurs (der die letzten Jahrzehnte ein immer medizinischer wurde), in Fragen der Gesellschaft (unrühmliches Beispiel für eine Pseudoverwissenschaftlichung sind die diversen Umfragen zu allen, wirklich allen Tehmen, die etwas wie Empirie suggerieren sollen) bis hin zu politischen Entscheidungen (immer diese Studien, die herangezogen werden, wobei doch jeder weiß, dass 3/4 dieser Studien einer vernünftigen Prüfung nicht standhalten könnten oder man mit einer leicht variierten Fragestellung zu völlig anderen ERgebnissen kommen könnte). Kurzum, es ist die Wissenschaft, die den Lauf der Dinge bestimmt.
Die Religion bietet darin einen geschützen Raum, weil sie sich gewissen Dogmen der Wissenschaft widersetzt. Das kann man dämlich finden oder gut, je nachdem; jedenfalls ist es für meine Begriffe momentan sehr häufig der Standpunkt der Religion, der einem hilft, gegen den Mainstream zu denken und damit auch gegen sich selbst.
Ich finde den Satz “Toleranz ja, außer bei Intoleranz” verheerend. Das ist als Denkhaltung für meine Begriffe eine Selbstverstümmelung. Man muss auch mal dahin denken, wos einem verboten wurde, damit man auf was neues kommt, und da helfen solche Sätze weiß Gott nicht.
Dawkins macht was neues und stellt überall Verbotsschilder auf: Vor Thomas von Aquin, weil versteht er nicht, macht sich aber drüber lustig. Vor Anselm von Canterbury, gleiche Leier. Alle Kirchenfürsten, versteht er alles nicht, macht einen Kalauer drüber und alle schreien Hurra.
Das ist ganz bestimmt kein Buch, das sein Thema ernst meint, und Dawkins ist ein guter Kabarettist, der so tut, als wäre er ein Inellektueller, das wars auch. Und diese Haltung ist ganz sicher nicht im Sinne der Aufklärung, die durchgehend für Religionsfreiheit eingetreten ist und deren hauptsächliche Vertreter Christen gewesen sind. Ich würde gerne Dawkins Gesicht sehen, wenn er zu verstehen suchte, welche Zusammenhänge zwischen Thomas von Aquin auf der einen und Kant und Hegel auf der anderen Seite bestünden.
Aber er tut nur so, als würden ihn Religion und religiöse Gelehrte interessieren. Ja, mein Gott, soll er halt: aber eben, deswegen sind solche Bücher nicht für mich geschrieben, sondern für Leute, die schon vorher geglaubt haben, was Dawkins jetzt pointierter aufschreibt.
Meiner Meinung nach vermischt Dawkins die Dinge. Die eine Frage ist die Frage nach der Existenz Gottes und die kann nicht empirisch angegangen werden.
Das andere ist eine quasi historische Analyse über die Auswirkungen von Religionen und darin ist Dawkins mehr Moralist als Wissenschaftler. Das Fatale ist, dass ein Atheist nun auf die Idee kommen könnte, sich moralisch über Theisten zu stellen. Weil er die Frage nach der Existenz Gottes negativ beantwortet hat, ist er resistent gegenüber Religion und nicht verantwortlich für deren negative Auswirkungen (könnte er meinen).
Wenn man auf wissenschaftliche Methoden wert legt, sollte man zum einen nicht unwissenschaftliche psychologische Erklärungsmodelle übernehmen, zum anderen muss man zwischen individuellen Glaubensgrundsätzen, Religion und Kirche unterscheiden. Ebenso wie es unlauter ist, Atheismus und atheistische Ideologien wie etwa den Kommunismus (als Idee) und deren reale Umsetzungen gleichzusetzen.
Richard Dawkins ist ein wahrer Wissenschaftler. Denn er ist nach dem “Gotteswahn” nicht stehen geblieben (Das Buch ist vor allem vor dem Hintergrund des amerikanischen christlichen Fundamentalismus zu sehen) und vor allem unterscheidet er sich von Michael Schmidt-Salomon als Vertreter des Neuen Atheismus.
O-Ton Dawkins: “Ich bin Agnostiker. Üblicherweise sind Agnostiker Leute, die eine 50 : 50-Wette über die Existenz Gottes eingehen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das finde ich zu wenig. Auf der anderen Seite stehen die Atheisten. Atheismus in purer Form heißt: Gott gibt es mit hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit nicht. Auch diese Position teile ich nicht.”
Nochmal Dawkins auf die Frage “Warum wehren Sie sich dann gegen das gesamte Konzept von Religion und Gottesglauben?”
Dawkins: “Dagegen habe ich überhaupt nichts. Mich interessiert etwas anderes: die Wahrheit. Ich möchte gerne wissen, was wirklich ist. Und an einen Gott zu glauben, der Trost spendet, sagt nichts darüber aus, ob er tatsächlich existiert. Gibt es Gott überhaupt, lautet meine Frage. Denn falls er nicht existiert, ist der Trost, der von ihm ausgeht, eine ziemlich leere Angelegenheit.”
Dawkins interessiert die Wahrheit und Dawkins ist wie jeder Wissenschaftler ein methodischer Agnostiker.
Am Ende mal eine ketzereische Frage: Ich habe Ethik noch nie gesehen, weder angefasst noch mit ihr gesprochen. Gibt es sie also nicht? Oder auch so: Nicht ich muss beweisen, dass es Ethik nicht gibt, sondern jeder, der behauptet, dass Ethik etwas real existentes ist muss mir das beweisen (und zwar empirisch, denn ich lasse nur Empirie als wissenschaftliche Methode zu).
@Nic: Wenn du wissen willst (statt nur zu glauben) wie die Idee einer übersinnlichen Entität(im allgemeinen oft auch Gott genannt) in unser Gehirn kommt, rege ich an mal “Hirnforschung religiöses Zentrum” zu googeln (alternativ kann man auch ein bisschen Philosophie betreiben).
[...] habe als erstes Buch von ihm den Gotteswahn gelesen. Später dann aber habe ich ihn aber vor allem als Evolutionsbiologe schätzen [...]
[...] habe als erstes Buch von ihm den Gotteswahn gelesen. Später dann aber habe ich ihn aber vor allem als Evolutionsbiologe schätzen [...]