[Erstveröffentlichung: Januar/Februar 2009]

dawkins gotteswahn Richard Dawkins Der GotteswahnIch habe es ver­spro­chen und nun auch gehal­ten: ich habe “Der Gotteswahn” von Richard Dawkins gele­sen; ach, was sag ich; ver­schlun­gen.

Seine Ideen waren mir ja durch die Bücher (u.a.) von Michael Schmidt-Salomon bekannt; aber wie Dawkins selbst schreibt, das weni­ger. Und es lohnt sich, ihn zu lesen! Mir ist schon klar, woher Schmidt-Salomon seine Art Humor hat – er ist Dawkinianer… Und das kann ich nach­voll­zie­hen.

Vielleicht wurde nicht nur ich damit kon­fron­tiert, dass die Scientologen mir Zettel in die Hand stop­fen woll­ten, auf denen sie mit Einsteins Konterfei wer­ben und mei­nen, die­sen zu Ihrem Fürsprecher machen zu kön­nen. Umgekehrt würde man dies Blasphemie nen­nen.
Auch Dawkins geht auf die Religiosität der Naturwissenschaftler ein; also auf das, was diese (zum Beispiel Einstein) als sol­che benann­ten:

Eine gera­dezu mys­ti­sche Reaktion auf Natur und Universum ist unter Naturwissenschaftlern und Rationalisten weit ver­brei­tet. Sie hat nichts mit einem Glauben an Über­na­tür­li­ches zu tun. Seite 22

Weiter erklärt er dann, dass diese Art der reli­giö­sen Weltverehrung eher mit einem stau­nen­den Wundern über die Dinge wie sie sind zu tun haben als mit der Idee eines, der die Welt gemacht hat.

Es fällt mir – ich gebe es zu – oft schwer, die Religionen zu kri­ti­sie­ren und ihnen den Respekt zu ver­wei­gern. Das macht es mir oft schwer, die Texte von Schmidt-Salomon oder den der Giordano Bruno Stiftung zu lesen. Weil ich mich für tole­rant halte… und Schmidt-Salomon einen Text gegen genau diese Toleranz schrieb.
Nun ver­stehe ich das bes­ser. Und will ver­su­chen, dies nicht nur zu ver­ste­hen, son­dern zu ver­in­ner­li­chen:

Ich bin nicht dafür, jeman­den nur um der Sache selbst wil­len zu belei­di­gen oder zu ver­let­zen. Aber für mich ist es fas­zi­nie­rend und rät­sel­haft, dass die Religion in unse­rer ansons­ten säku­la­ren Gesellschaft der­art unver­hält­nis­mä­ßige Vorrechte genießt. [...] Was ist das Besondere an der Religion, dass wir ihr einen so ein­zig­ar­ti­gen Respekt ent­ge­gen­brin­gen? Seite 44

Dawkins weist expli­zit dar­auf hin, dass er in dem Buch der Religion so wenig Respekt ent­ge­gen­brin­gen wird, wie diese den Atheisten. Dazu zitiert er ein Gespräch zwi­schen Robert Sherman (einem ame­ri­ka­ni­schen Journalisten) und George Bush senior:

Als die­ser (Bush) gefragt wurde, ob er bei Amerikanern, die Atheisten sind, den glei­chen Bürgersinn und Patriotismus erken­nen könne, ant­wor­tete er:” Nein, ich finde nicht, dass man Atheisten als Bürger betrach­ten sollte, und man soll sie auch nicht für Patrioten hal­ten. Das ist eine Nation unter Gott.” Seite63

Nun, man weiß inzwi­schen, welch gott­ge­fäl­li­ges Werk der Sohn des Zitierten getan hat…


Ich brau­che län­ger, um über das Buch “Der Gotteswahn” zu schrei­ben als es zu lesen. Doch nun will ich ver­su­chen, über das Buch Abschließendes zu sagen. (Immerhin liegt das nächste: “Der ent­zau­berte Regenbogen” bereits bereit.)

Dawkins beschreibt unter ande­rem auch an der Entstehung der “Religion” des flie­gen­den Spaghettimonsters über den Unfug, den Religionen auf­grund ihrer Allemachtsphantasien ver­brei­ten. Und weist dar­auf hin, dass es nicht Sache der Religionskritiker sein sollte, die Wahrheit der Religionslehren zu wider­le­gen; son­dern viel­mehr ist es (wenn es denn über­haupt not­wen­dig ist) Aufgabe der Religion, zu bewei­sen, dass es etwas gibt, dass die Religion logisch begrün­det.

Niemand von uns fühlt sich ver­pflich­tet, all die unzäh­lin­gen her­ge­hol­ten Dinge zu wider­le­gen, die eine frucht­bare oder wit­zige Fantasie sich aus­den­ken kann. Nach mei­ner Erfahrung ist es eine amü­sante Strategie, wenn ich auf die Frage, ob ich Atheist sei, dar­auf hin­weise, dass der Fragesteller eben­falls Atheist ist, näm­lich in bezug auf Zeus, Apollo, Amon Ra, Mithras, Baal, Thor, Wotan, das Goldenen Kalb oder das Fliegende Spaghettimonster. Ich bin ein­fach schon einen Gott wei­ter. Seite 77

Dawkins defi­niert im Buch auch, was Darwin begann, auf der Ebene der Gene (das ego­is­ti­sche Gen!)… lei­der man­gelt es mir an den Kenntnissen – ich habe das Gefühl, Etliches nicht ver­stan­den zu haben was Dawkins hier beweist. Da muss ich wohl noch ein wenig mehr lesen und ler­nen. (Immerhin: ein – das – Buch von Darwin liegt auch schon bereit.)

Der Autor wider­legt im Buch zudem die irrige Annahme, dass Religionen für die Ausbildung einer Ethik not­wen­dig seien. [Auch wenn es viele wis­sen­schaft­li­che Erkenntnis inn­halb kirch­li­cher Strukturen gab... wur­den doch die Wissenschftler häu­fig genug von der Kirche ver­folgt, wenn sich die Forschungsergebnisse nicht mehr mit den Glaubensbekenntnissen in Überein­stim­mung brin­gen lie­ßen.]

So schreibt Dawkins über eine Untersuchung, in der der israelische Psychologe George Tamarin einen biblischen Text Kindern im Alter von acht bis vierzehn vorlegte. In dem kurzen Text ging es um die Schlacht von Jericho; in der ein Völkermord geschildert wird. Solange die Ausführenden “die Kinder Israels” waren, wurde von der Mehrzahl der Kinder (66%) der Mord an den Männern, Frauen, Kindern und dem Vieh des “Feindes” als gerecht und richtig bezeichnet. Nur 26% der Kinder verurteilten die geschilderten Taten.

Das gleiche Experiment machte Tamarin auch mit einer … Kontrollgruppe. Eine andere Gruppe von 168 israelischen Kindern erhielt genau den gleichen Text aus dem Buch Josua, nur war hier der Name “Josua” durch “General Lin” und “Israel” durch “ein chinesisches Königreich vor 3000 Jahren” ersetzt. Jetzt ergab das Experiment das umgekehrte Verhältnis. Seite 356

Religion ist also verantwortlich für ethische Werte? Nun, wenn Völkermord ein ethisch wertvolles Element des menschlichen Miteinanders ist… dann sicher. Aber nur dann.

Religion ist zweifellos eine spaltende Kraft. Seite 359

spricht sie doch z.B. Frauen die Menschenrechte grundsätzlich ab.

Vom Kosovo bis nach Palästina, vom Irak bis in den Sudan, von Nordirland bis zum indischen Subkontinent sollte man sich alle Regionen mit unüberwindlicher Feindschaft und Gewalt zwischen verschiedenen Gruppen einmal genau ansehen. Ich kann nicht dafür garantieren, dass Religionen immer das beherrschende Etikett für freundlichen und feindliche Gruppen sind. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch. Seite 360

Was mir ausnehmend gefällt bei Dawkins ist, dass er strikt trennen kann zwischen dem Unsinn, den Religionen als Lehre “verkaufen” möchten und dem, was die Bibel zum Beispiel als rein literarische Leistung darstellt.

Aber dass die Bibel ein Teil unserer Bildung sein muss, liegt nicht in erster Linie daran, dass sie eine wichtige Quelle der literarischen [und bildenden Kunst und] Kultur darstellt. Das Gleiche gilt auch für die Sagen über die griechischen und römischen Götter, die wir kennen lernen, ohne dass man uns aufforderte, daran zu glauben. Seite 474

Mir hat das Buch viele Anregungen gegeben – und wahrscheinlich endgültig Schluss gemacht mit meiner Toleranz gegenüber den Religionen die sich das Recht herausnehmen, namens ihres Glaubens befreit zu sein von Kritik und – noch wichtiger – sich außerhalb der Gesellschaft sehen wollen.

Wir müssen – denk ich – uns kaum mehr darüber wundern, weshalb es in unserem Land eine sog. “Parallelgesellschaft” gibt. So lange man “toleriert”, dass Religionen als Messer einer Gesellschaft fungieren… und so man den Verdacht hegt, dass dies nicht unerwünscht ist… so lange kann man über den “Kampf der Kulturen” schwadronieren ohne je an die Wurzeln der Gesellschaft zu rütteln.

Nic


Nachtrag:

Ich gebe zu: ich habe google bemüht um nachzusehen, ob meine Artikel zum diesem Buch dort erfasst sind (sind sie nicht, jedenfalls nicht auf den ersten Seiten). Und dabei fand ich einen relativ aktuellen Text (11.02.2009) im Blog “Der Spreeblick“, einen, den ich schon ab und an mal ganz gern lese.
Doch leider hat der Autor – Frédéric Valin – ein ganz anderes Bild vom Buch als ich (na ja, das solls geben…) aber die Kommentare dazu sind zum Teil richtig gut.
Denn genau für solche wie Dich, Frédéric, hat Dawkins das Buch geschrieben!

Über den Autor

Nic

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

11 Responses to Richard Dawkins – Der Gotteswahn

  1. Günter sagt:

    Hallo,

    ich bin gerade dabei, das Buch von Dawkins zu lesen und je wei­ter ich darin komme (es ist ja ziem­lich dick), umso mehr frage ich mich, wie ein ver­nünf­ti­ger Mensch an etwas wie Gott glau­ben kann. Zurzeit bin ich bei der Beweisführung, dass es für Ethik und Moral kei­nen Gott braucht. Sehr gut.

    Übri­gens hatte ich auch den Eindruck, dass MSS ein Dawkins-Fan sein muss. Ich hatte vor­her sein Buch gele­sen…

    Gruß, Günter

    • Nic sagt:

      Hallo Günter,

      Danke für den Kommentar und Zuspruch.
      Ja, seit Dawkins/MSS bemühe ich mich, zwi­schen Moral und Ethik zu unter­schei­den – auch im nor­ma­len Sprachgebrauch. Wir sagen oft “Moral” bzw. “mora­lisch” wo wie “Ethik” bzw. “ethisch” mei­nen.

  2. Frédéric Valin sagt:

    Lustig, die­ses Missverständnis. Ausgerechnet für mich hat Dawkins das Buch näm­lich nicht geschrie­ben.

    Zwei Sachen fal­len auf, wenn man mit Dawkinisten dis­ku­tiert und – obwohl man immer betont, selbst Atheist zu sein – dabei natür­lich fort­wäh­rend als Gottesjünger ver­un­glimpft wird. Erstens ist das der heroi­sche Verweis auf die Anfänge der Wissenschaft, auf Kopernikus und Galileo, und wie viel sie ris­kiert haben. Und zwei­tens: dass die Leute, die sie heute dafür hoch­le­ben las­sen (wie Dawkins) selbst nichts ris­kie­ren.

    Tatsächlich haben sich doch die Verhältnisse umge­kehrt: die ein­zige Institution, die es ver­steht, Kritiker wie Ketzer zu behan­deln, ist inzwi­schen die Wissenschaft. Die Kirche, der Glaube das ist einer der weni­gen Orte, wo man sich Widerstand noch leis­ten darf. Wo man noch anders den­ken darf. Deutschland, Europa ist inzwi­schen athe­is­tisch durch und durch: wenn man die­sem Wissenschaftsterror (“wahr­schein­lich end­gül­tig Schluss gemacht mit mei­ner Toleranz gegen­über den Religionen”) nicht mehr fol­gen mag, weil es sich so bedin­gungs­los rich­tig anhört, weil es halt immer die Entscheidung zwi­schen Wahnsinn und Wahrheit ist, die da von einem gefor­dert wird, wenn man das also nicht mit­ma­chen will, weil man glaubt, dass der Mensch frei sein muss und Entscheidungen tref­fen darf, dass es also immer mehr als eine mög­li­che Lösung geben muss, dann ist man sofort ein reak­tio­nä­rer Idiot, egal, was man schreibt. Die Haltung allein ist ent­schei­dend, stellt man dann fest, und fragt sich, warum sich die Leute über­haupt die Mühe machen, einen Text zu Dawkins zu schrei­ben, wo doch ein hoch­ge­streck­ter Facebook-Daumen schon alles sagen würde. I like. Wer es nicht liked, ist raus, da hat man auch keine Toleranz mehr für, alles hat ein Ende, auch die eigene Geduld.

    Andererseits: Ich kann ver­ste­hen, dass man mit sei­ner Geduld am Ende ist nach der Lektüre von Dawkins, weil das Buch rotz­hohl ist und hier­zu­lande offene Türen ein­rennt. Das Buch ist geschrie­ben wor­den für Leute, die die Schnauze voll haben davon, an irgend­was zu zwei­feln. Allein schon der Satz “Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch.”, das ist doch eine Kapituation. Da steckt das genze Buch drin, da weiß man doch schon: der hat das mit dem Rückenmark geschrie­ben und sein Hirn nur für die Produktion von Kalauern benutzt. Mich ärgert am Ende wahr­schein­lich gar nicht so sehr der Inhalt, son­dern viel­mehr diese Geisteshaltung, die frü­her die Kirche hatte und jetzt die Wissenschaft ver­tritt: hier rich­tig, da falsch.

    Leck mich, Dawkins, sag ich dazu. Du, Dawkins, wirst nicht ent­schei­den, was rich­tig ist und was falsch, selbst wenn Du ver­se­hent­lich hin und wie­der etwas rich­ti­ges sagst. Da bin ich lie­ber im fal­schen, als dass ich Dir zustimme, Dawkins. Ich will frei sein, und Leute wie Dawkins, die machend as Gegenteil von Freiheit: die engen ein. Danke, nicht für mich, ich hab die Schnauze voll von Vorstellungsverboten. Soll man ihn halt wit­zig fin­den und poin­tiert, soll man halt Schluss machen mit der gan­zen Toleranz und dem Kram, der Mühe macht, aber lohnt, soll man sich dabei halt auch super fin­den: ich find mich lie­ber unsu­per. Und genau des­we­gen finde ich auch Dawkins ziem­lich unsu­per.

    Nein, Nic, für Leute wie mich hat der das nicht geschrie­ben: Er hat das Buch geschrie­ben für Leute, die ihn soweiso schon super fin­den, das aber noch nicht wuss­ten, weil sie noch nichts von ihm gele­sen hat­ten. Und aber immer­hin sich selbst total super fin­den, weil sie Dawkins super fin­den. Scheiß Wohlfühlmaschine, sag ich da, und: Es kotzt mich an. Sagt mir nicht, was ich den­ken soll, vie­len Dank.

    • Nic sagt:

      Das vorab: ich freue mich, dass Du dar­auf rea­giert hast und rechne es mir als Ehre an, dass ein Spreeblick-Autor mich wahr­nimmt.

      Zu unse­rem Streit:

      …die ein­zige Institution, die es ver­steht, Kritiker wie Ketzer zu behan­deln, ist inzwi­schen die Wissenschaft. Die Kirche, der Glaube das ist einer der weni­gen Orte, wo man sich Widerstand noch leis­ten darf.

      Kannst Du das begrün­den? Also wenn ich über die kath. Kirche nach­sinne und ins­be­son­dere über die jüngs­ten – sehr wis­sen­schafts­feind­li­chen – Begründungen, die Benedikt so von sich gab, kom­men mir daran doch ernst­li­che Zweifel.
      Man muss Dawkins nicht mögen. Das Review ist inzwi­schen ja auch schon etwas älter und ich habe inzwi­schen eine etwas dif­fe­ren­zierte Haltung zum Buch. Aber so in Bausch und Bogen ver­dam­men wie Du? Woher rührt Deine Wut?

      Deutschland, Europa ist inzwi­schen athe­is­tisch durch und durch…

      Ist es das, was Dich stört? Möchtest Du lie­ber in einer Diktatur, in einem Gottesstaat leben a la Iran? Das kann ich mir nicht ernst­lich vor­stel­len. Zumal eines ganz sicher ist: eine sol­che Diskussion, wie wir sie hier füh­ren, gäbe es dann nicht.

      Mich ärgert am Ende wahr­schein­lich gar nicht so sehr der Inhalt, son­dern viel­mehr diese Geisteshaltung, die frü­her die Kirche hatte und jetzt die Wissenschaft ver­tritt: hier rich­tig, da falsch.

      Ich ver­mute, Du meinst den Ton sei­nes Buches, der oft den Anschein erregt, mis­sio­nie­ren zu wol­len. Also von der ande­ren Seite her. Du wirst ihm also Intoleranz vor, wenn ich Dich recht ver­stehe? Das ist sicher­lich nicht von der Hand zu wei­sen. Ich emp­fehle Dir dazu sehr Sam Harris’ Buch http://nicsbloghaus.org/2010/05/05/sam-harris-brief-an-ein-christliches-land/ – viel­leicht ver­stehst Du dann, woher das rührt.
      Ich bin ein gro­ßer Freund und Verfechter von Toleranz. Aber gegen Intoleranz muss man into­le­rant sein. Und so wie die reli­giöse Seite sehr into­le­rant gegen­über säku­la­ren oder mei­net­hal­ben athe­is­ti­schen Forderungen und Weltsichten ist, so into­le­rant kann man ihnen auch nur ent­ge­gen­tre­ten.
      Wenn Du das anders siehst – und danach sieht es ja aus – ist das ok.
      Allerdings zeigt Dein Kommentar eher, dass Du into­le­rant gegen­über Meinungen und Haltungen bist, die Dir nicht genehm zu sein schei­nen.

      Er hat das Buch geschrie­ben für Leute, die ihn soweiso schon super fin­den, das aber noch nicht wuss­ten, weil sie noch nichts von ihm gele­sen hat­ten. Und aber immer­hin sich selbst total super fin­den, weil sie Dawkins super fin­den.

      Das ist zwar ele­gant for­mu­liert; aber ganz sicher­lich falsch und nicht der Grund für die­ses Buch. Für Dawkins gesamte Arbeit. Ich nenne das “Aufklärung”. Und von der his­to­ri­schen Aufklärung leben wir alle – und das rela­tiv gut. Weil frei im Wort und im Gedanken.

      Sagt mir nicht, was ich den­ken soll, vie­len Dank.

      Wer ver­sucht das? Jeder soll und kann den­ken, was er will; glau­ben, woran er will, tun, was er will. Solange er nicht davon aus­geht, dass alle ande­ren das Gleiche den­ken, glau­ben und tun müs­sen.

      PS: Kennst Du die ande­ren Bücher von Dawkins?

      • Peter sagt:

        Kann man eigent­lich auch einen Kommentar – resp. einen Streit flattrn? Euer Gespräch hätte das ver­dienst

      • Frédéric Valin sagt:

        Erstmal muss ich mich kurz ent­schul­di­gen. Der Ton mei­nes Kommentars war nicht unbe­dingt ange­mes­sen. In der Sache bleibe ich dabei: die­ses Buch ist als Selbstbeschwörung geschrie­ben wor­den.

        Zuallererst: die Wissenschaft ist es, die inzwi­schen alle Lebensbereiche durch­zieht, wie es frü­her die Religion getan hat. Im Körperdiskurs (der die letz­ten Jahrzehnte ein immer medi­zi­ni­scher wurde), in Fragen der Gesellschaft (unrühm­li­ches Beispiel für eine Pseudoverwissenschaftlichung sind die diver­sen Umfragen zu allen, wirk­lich allen Tehmen, die etwas wie Empirie sug­ge­rie­ren sol­len) bis hin zu poli­ti­schen Entscheidungen (immer diese Studien, die her­an­ge­zo­gen wer­den, wobei doch jeder weiß, dass 3/4 die­ser Studien einer ver­nünf­ti­gen Prüfung nicht stand­hal­ten könn­ten oder man mit einer leicht vari­ier­ten Fragestellung zu völ­lig ande­ren ERgebnissen kom­men könnte). Kurzum, es ist die Wissenschaft, die den Lauf der Dinge bestimmt.

        Die Religion bie­tet darin einen geschüt­zen Raum, weil sie sich gewis­sen Dogmen der Wissenschaft wider­setzt. Das kann man däm­lich fin­den oder gut, je nach­dem; jeden­falls ist es für meine Begriffe momen­tan sehr häu­fig der Standpunkt der Religion, der einem hilft, gegen den Mainstream zu den­ken und damit auch gegen sich selbst.

        Ich finde den Satz “Toleranz ja, außer bei Intoleranz” ver­hee­rend. Das ist als Denkhaltung für meine Begriffe eine Selbstverstümmelung. Man muss auch mal dahin den­ken, wos einem ver­bo­ten wurde, damit man auf was neues kommt, und da hel­fen sol­che Sätze weiß Gott nicht.

        Dawkins macht was neues und stellt über­all Verbotsschilder auf: Vor Thomas von Aquin, weil ver­steht er nicht, macht sich aber drü­ber lus­tig. Vor Anselm von Canterbury, glei­che Leier. Alle Kirchenfürsten, ver­steht er alles nicht, macht einen Kalauer drü­ber und alle schreien Hurra.

        Das ist ganz bestimmt kein Buch, das sein Thema ernst meint, und Dawkins ist ein guter Kabarettist, der so tut, als wäre er ein Inellektueller, das wars auch. Und diese Haltung ist ganz sicher nicht im Sinne der Aufklärung, die durch­ge­hend für Religionsfreiheit ein­ge­tre­ten ist und deren haupt­säch­li­che Vertreter Christen gewe­sen sind. Ich würde gerne Dawkins Gesicht sehen, wenn er zu ver­ste­hen suchte, wel­che Zusammenhänge zwi­schen Thomas von Aquin auf der einen und Kant und Hegel auf der ande­ren Seite bestün­den.

        Aber er tut nur so, als wür­den ihn Religion und reli­giöse Gelehrte inter­es­sie­ren. Ja, mein Gott, soll er halt: aber eben, des­we­gen sind sol­che Bücher nicht für mich geschrie­ben, son­dern für Leute, die schon vor­her geglaubt haben, was Dawkins jetzt poin­tier­ter auf­schreibt.

        • mathieu sagt:

          Meiner Meinung nach ver­mischt Dawkins die Dinge. Die eine Frage ist die Frage nach der Existenz Gottes und die kann nicht empi­risch ange­gan­gen wer­den.
          Das andere ist eine quasi his­to­ri­sche Analyse über die Auswirkungen von Religionen und darin ist Dawkins mehr Moralist als Wissenschaftler. Das Fatale ist, dass ein Atheist nun auf die Idee kom­men könnte, sich mora­lisch über Theisten zu stel­len. Weil er die Frage nach der Existenz Gottes nega­tiv beant­wor­tet hat, ist er resis­tent gegen­über Religion und nicht ver­ant­wort­lich für deren nega­tive Auswirkungen (könnte er mei­nen).

          Wenn man auf wis­sen­schaft­li­che Methoden wert legt, sollte man zum einen nicht unwis­sen­schaft­li­che psy­cho­lo­gi­sche Erklärungsmodelle über­neh­men, zum ande­ren muss man zwi­schen indi­vi­du­el­len Glaubensgrundsätzen, Religion und Kirche unter­schei­den. Ebenso wie es unlau­ter ist, Atheismus und athe­is­ti­sche Ideologien wie etwa den Kommunismus (als Idee) und deren reale Umsetzungen gleich­zu­set­zen.

  3. mathieu sagt:

    Richard Dawkins ist ein wah­rer Wissenschaftler. Denn er ist nach dem “Gotteswahn” nicht ste­hen geblie­ben (Das Buch ist vor allem vor dem Hintergrund des ame­ri­ka­ni­schen christ­li­chen Fundamentalismus zu sehen) und vor allem unter­schei­det er sich von Michael Schmidt-Salomon als Vertreter des Neuen Atheismus.
    O-Ton Dawkins: “Ich bin Agnostiker. Übli­cher­weise sind Agnostiker Leute, die eine 50 : 50-Wette über die Existenz Gottes ein­ge­hen: Kann sein, dass es ihn gibt, kann auch sein, dass es ihn nicht gibt. Das finde ich zu wenig. Auf der ande­ren Seite ste­hen die Atheisten. Atheismus in purer Form heißt: Gott gibt es mit hun­dert­pro­zen­ti­ger Wahrscheinlichkeit nicht. Auch diese Position teile ich nicht.”

    Nochmal Dawkins auf die Frage “Warum weh­ren Sie sich dann gegen das gesamte Konzept von Religion und Gottesglauben?”

    Dawkins: “Dagegen habe ich über­haupt nichts. Mich inter­es­siert etwas ande­res: die Wahrheit. Ich möchte gerne wis­sen, was wirk­lich ist. Und an einen Gott zu glau­ben, der Trost spen­det, sagt nichts dar­über aus, ob er tat­säch­lich exis­tiert. Gibt es Gott über­haupt, lau­tet meine Frage. Denn falls er nicht exis­tiert, ist der Trost, der von ihm aus­geht, eine ziem­lich leere Angelegenheit.”

    Dawkins inter­es­siert die Wahrheit und Dawkins ist wie jeder Wissenschaftler ein metho­di­scher Agnostiker.

    Am Ende mal eine ket­ze­rei­sche Frage: Ich habe Ethik noch nie gese­hen, weder ange­fasst noch mit ihr gespro­chen. Gibt es sie also nicht? Oder auch so: Nicht ich muss bewei­sen, dass es Ethik nicht gibt, son­dern jeder, der behaup­tet, dass Ethik etwas real exis­ten­tes ist muss mir das bewei­sen (und zwar empi­risch, denn ich lasse nur Empirie als wis­sen­schaft­li­che Methode zu).

    @Nic: Wenn du wis­sen willst (statt nur zu glau­ben) wie die Idee einer über­sinn­li­chen Entität(im all­ge­mei­nen oft auch Gott genannt) in unser Gehirn kommt, rege ich an mal “Hirnforschung reli­giö­ses Zentrum” zu goo­geln (alter­na­tiv kann man auch ein biss­chen Philosophie betrei­ben).

  4. [...] habe als ers­tes Buch von ihm den Gotteswahn gele­sen. Später dann aber habe ich ihn aber vor allem als Evolutionsbiologe schät­zen [...]

  5. [...] habe als ers­tes Buch von ihm den Gotteswahn gele­sen. Später dann aber habe ich ihn aber vor allem als Evolutionsbiologe schät­zen [...]