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peace logo Deutsche Welle beflügelt iranische PropagandaFAZ, 30.09.2010
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Deutsche Welle beflü­gelt ira­ni­sche Propaganda

Angeregt durch die Recherchen die­ser Zeitung (F.A.Z. vom 29. September), konnte man bei der Deutschen Welle mit deut­li­cher Verspätung doch noch die Spur der in den ira­ni­schen Medien zitier­ten “DW-Umfrage zum 11. September” zurück­ver­fol­gen. Anders als es zunächst auch an die­ser Stelle schien, gab es die Sache also doch. Wie ein Pressesprecher des Senders jetzt mit­teilte, ging es dabei aber nicht etwa um eine reprä­sen­ta­tive Meinungserhebung, son­dern ledig­lich um ein Online-Voting, das der per­sisch­spra­chige Dienst des Hauses unmit­tel­bar nach der pro­vo­ka­ti­ven UN-Rede des ira­ni­schen Präsidenten Ahmadineschad gestar­tet hatte.

Per Mausklick konn­ten Hörer und Leser abstim­men, ob man den von Ahmadineschad ver­tre­te­nen Verschwörungstheorien zu den Terroranschlägen Glauben schen­ken sollte oder nicht. In den ers­ten Stunden zählte man in der Farsi-Redaktion der Deutschen Welle rund drei­hun­dert Meinungsabgaben, die meis­ten lau­te­ten auf: “Nein”. Dann aber wurde inner­halb kür­zes­ter Zeit eine Flut von Zugriffen regis­triert, bei denen “Ja” ange­klickt wurde – nach weni­gen Stunden waren es schon mehr als tau­send. So kam es zu jenem frag­wür­di­gen Abstimmungsergebnis von “rund 65 Prozent” Zustimmung für Ahmadineschads ver­schwö­rungs­theo­re­ti­sche Äuße­run­gen, wor­auf sich denn auch kurz danach die staat­lich gelenk­ten ira­ni­schen Medien begie­rig stürz­ten.

Dass die Masse der beja­hen­den Klicks von Freunden, wenn nicht gar Handlangern des ira­ni­schen Regimes getä­tigt wurde, darf ange­nom­men wer­den. Teherans Propagandisten zufolge aber stamm­ten sie von deut­schen Bundesbürgern. Während sich die Verantwortlichen in Iran über ihren Propagandacoup die Hände rei­ben, kann man über die Vorgehensweise des deut­schen Auslandssenders nur den Kopf schüt­teln, ist doch hin­läng­lich bekannt, wie leicht sich Online-Votings gerade auch für poli­ti­sche Zwecke mani­pu­lie­ren las­sen.

Bei der Deutschen Welle ist man sich die­ser pein­li­chen Panne bewusst. Mit der Online-Abstimmung, so sagte einer ihrer Pressesprecher gegen­über die­ser Zeitung, habe man bedau­er­li­cher­weise der ira­ni­schen Staatspropaganda in die Hände gespielt. Um Derartiges künf­tig zu ver­mei­den, denke man schon über Konsequenzen nach. Unterdessen geht die neue, offen­bar gene­ral­stabs­mä­ßig orga­ni­sierte Propagandakampagne Irans zum 11. September wei­ter, zu der jene erfun­de­nen “deut­schen” Gesinnungsgenossen des ira­ni­schen Staatspräsidenten ärger­li­cher­weise ihren Beitrag geleis­tet haben. Die “Tehran Times” mel­dete, dass das Ministerium für Kultur und isla­mi­sche Führung die Genehmigung für die Produktion eines Films über die Ereignisse des 11. September 2001 erteilt hat. Den Propagandastreifen mit dem Titel “9/11 Blackbox” soll der ira­ni­sche Filmemacher Mohammadreza Eslamlu dre­hen. Er ist im Land als enger Freund von Dschawad Shamaqdari bekannt, dem stell­ver­tre­ten­den Kulturminister, zustän­dig für Filmangelegenheiten. Dass Eslamlu die Drehgenehmigung, auf die man sonst lange war­ten muss, jetzt schon erhal­ten hat, führt das regi­me­nahe Blatt nicht nur auf seine per­sön­li­chen Beziehungen zurück. Es sei auch zu ver­mu­ten, dass der Film von der Sicht des ira­ni­schen Präsidenten auf den 11. September geprägt sein werde.
JOSEPH CROITORU
(c) Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main

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Nic

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