Donnerstag , 23 Mai 2013
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Vom Virus des Glaubens

[Erstveröffentlichung: 26. November 2008]

Nachdem ich vor ein paar Tagen schon das kleine Heft 1 die­ser (bis­her auf diese bei­den Hefte begrenz­ten) Schriftenreihe der Giodarno-Bruno-Stiftung gele­sen und beschrie­ben habe, war nun das zweite Heft an der Reihe: Vom Virus des Glaubens – Reden zur Verleihung des Dreschner-Preises 2007. Abgedruckt sind die Redebeiträge des (preis­ge­krön­ten) Richard Dawkins, des Vorstandes der Stiftung Michael Schmidt-Salomon, des Laudators Franz M. Wuketits sowie des Namensgebers Karlheinz Dreschner. (Links am Ende des Beitrages)

Schmidt-Salomons Ideen und Denkart sind (mir) soweit bekannt, dass mir seine Rede nichts Neues ver­mit­teln konnte. Auch die Wuketits hat mich nicht über­zeu­gen kön­nen.
Anders jedoch die von Dreschner und Dawkins.

So beginnt Deschner mit einer Unterscheidung zwi­schen Atheisten und Agnostikern (hier musste ich erst mal bei Wikipedia nach­schla­gen, was denn damit gemeint ist) und fin­det es bemer­kens­wert, dass der Preis nach einem Pantheisten benannt ist.
Doch dann spricht er über die Anwendung des Wissens, wie es moderne Theoretiker und Wissenschaftler in die­ser Art sel­ten tun. (Vgl. dazu auch M.Schmidt-Salomon’s Artikel “Kann und soll Philosophie ange­wandt wer­den?”):

Wir reden, wir reden, wir schrei­ben, machen bloße Worte. Und die Mehrheit, die mit uns lebt, sie ver­gol­det Showmasters, Quatschonkels und -tan­ten, Ballspieler. Und wir alle, wir las­sen Hunderttausende, las­sen Millionen Menschen indes­sen ver­hun­gern. Ja, müss­ten wir denn die­sen nicht zuschreien, nach dem Eigentum derer zu grei­fen, die sie ver­hun­gern las­sen? Nach unse­rem? Seite 18

Und wei­ter dann über das Bild, dass sich die Menschen (auch die auf­ge­klär­ten Humanisten) vom Tier machen:

Wie ver­keh­ren wir mit Tieren, der unbe­wein­ten Kreatur? am liebs­ten doch und lebens­lang per Essbesteck. Seite 19

(Nun wird mir auch klar, woher der Sarkasmus des von mir ver­ehrte M. Schmidt-Salomon rührt, der sich als “Jünger” Deschner’s defi­niert.)
Richard Dawkins’ Dankesrede hat mir auch sehr gefal­len. Nicht nur, dass er auf Schmidt-Salomons “Manifest” ein­geht; erklärt er in sei­nem Beitrag, wes­halb er jeg­li­che Religionen kri­ti­siert.

Es hat mich jedoch sehr gepackt, als er [gemeint ist M. Schmidt-Salomon] auf die gänz­li­che Unvereinbarkeit zwi­schen dem wis­sen­schaft­li­chen Weltbild, das dem Entwurf und der Konstruktion eines moder­nen Passagierflugzeuges zugrunde liegt, und der bar­ba­ri­schen Sichtweise, zu der ein gan­zes Weltbild aus der Bronzezeit gehört, hin­wies, das die Männer antrieb, die diese Wunderwerke der Wissenschaft ent­führ­ten und sie in zwei der größ­ten Gebäude der Welt jag­ten, selbst Wunderwerke einer wis­sen­schafts­ba­sier­ten Technologie. Seite 30

Davon aus­ge­hend lei­tet Dawkins dann in einer glän­zen­den logi­schen Abfolge ab, wel­che Rolle selbst soge­nannte “gute” Religion auf das Denken der Fanatisierten spielt. Er beschreibt, wie der “Virus des Glaubens” schon früh die kind­li­chen Gehirne befällt; wenn ihnen Glauben als Tugend beige­bracht wird :

Das ler­nen sie in Grundschulen. Und nicht von durch­ge­knall­ten, extre­mis­ti­schen Mullahs, son­dern bei anstän­di­gen, mode­ra­ten, gemä­ßig­ten Religionslehrern… (Seite 35)

Schon allein wegen die­ser Rede Dawkins’ ist das Heft lesens­wert – und macht “Appetit” auf andere Schriften und Bücher. Es kann also gut sein, dass hier irgend­wann das eine oder andere Buch Dreschners und Dawkins’ hier bespro­chen wird…

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

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