[Erstveröffentlichung: 10. November 2008]

sperber trne Manes Sperber   Wie eine Träne im OzeanAlso gut, beginne ich also mit dem Buch, das mich seit Wochen beschäf­tigt und wahr­haft nach­hal­tig beein­druckt hat: Manes Sperber: Wie eine Träne im Ozean. War es doch Auslöser für meine Beschäftigung mit dem Stalinismus und der Geschichte der (deut­schen) Arbeiterklasse. )

Ich möchte nicht viel über den Inhalt des Buches berich­ten. Hier gibt es sowohl bei Amazon als auch bei Wikipedia gute Inhaltsangaben.
Viel Wichtiger ist mir, dar­über zu berich­ten, was die­ses Buch in mir aus­ge­löst hat.

Bin ich doch mit einer – nen­nen wir es: sehr ein­sei­ti­gen Geschichtsauffassung auf­ge­wach­sen. Geschuldet einer sich zwar historisch-dialektisch nen­nen­den Gesellschaftsordnung, aber genau­so­weit ent­fernt davon, his­to­risch (kor­rekt) und dia­lek­tisch (im Sinne Hegels) durch­dacht zu sein, wie Stalin als “Linker” zu gel­ten hat. Es gibt Momente in dem Buch, bei denen mir regel­recht übel wurde und ich mich schämte dafür, eine Gesellschaftsordnung, die sich “sozia­lis­tisch” nannte, je ver­tei­digt zu haben. (Das rela­ti­vierte sich dann aller­dings etwas mit Abstand zum Buch und vor allem nach dem Lesen der “Alternative”.)

Was mich so ent­setze – nicht an dem Buch, son­dern an der Geschichte wie sie berich­tet wird und sich tat­säch­lich auch abspielte – ist die­ses Motto: “Der Mensch ist nichts, die Idee ist alles”. Wie defor­mie­rend das ist, war mir zu der Zeit, in der ich in dem Land, des­sen Credo hier genannt wird, nicht ein­mal auf­ge­fal­len. War doch “Individualismus” ein Schimpfwort; war ich doch erzo­gen dazu, als Rädchen im System zu funk­tio­nie­ren. Doch – und das zeich­net Sperbers Romantriologie aus – trotz all der Verwundungen, der Rückschläge; ja auch der Ungerechtigkeiten gegen Einzelne… trotz­dem bleibt die Hoffnung, die Utopie beste­hen, dass die Menschheit bes­ser wer­den kann.

Da die­ses Buch mein Geschichtsbild an den Wurzeln erschüt­terte (was für eine pathe­ti­sche Aussage – ich weiß) hat es meine Neugierde ange­sta­chelt. Denn obwohl ich mich grund­sätz­lich kaum noch dazu ver­stei­gere, zu sagen, dass die Menschen gut sind… so ganz kann ich nicht auf Utopie ver­zich­ten.

Nic

Über den Autor

Nic

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One Response to Manes Sperber – Wie eine Träne im Ozean

  1. Bücher, die das Denken ändern…

    Es gibt Bücher – jeden­falls für mich – die meine Einstellung zur und meine Sicht auf die Welt grund­le­gend ver­än­dern. Dazu zäh­len unter ande­rem Manes Sperber “Wie eine Träne im Ozean” – ein Buch, da…