[Erstveröffentlichung: 13. April 2008]

remarque dreikameraden Erich Maria Remarque   Drei KameradenRichtig gefreut habe ich mich auf die­ses Buch – nach lan­ger Zeit mal wie­der einen Remarque lesen… Vor etli­chen Jahren habe ich (natür­lich, wer nicht?) Im Westen nichts Neues gele­sen. Aber auch Die Nacht von Lissabon und Der schwarze Obelisk. Und gefal­len hat mir Remarque immer.

Nun also Drei Kameraden – ein Buch, das – für Erich Maria Remarque typisch von den Außenseitern der (bür­ger­li­chen) Gesellschaft zwi­schen den Kriegen han­delt. Die, die ohne Halt zurück­ge­kehrt aus dem (damals noch unnum­me­rier­ten) Weltkrieg in der Gesellschaft stran­den.

Anfangs dachte ich, eine andere Variante des Schwarzen Obelisken zu lesen; wie­der sind es drei ehe­ma­lige Kriegskameraden, die ver­su­chen in den Wirren des Nachkrieges irgend­wie zu über­le­ben. Und wie­der spielt die Einsamkeit des Einzelnen eine Hauptrolle. Bars, Cafés und Bordelle; das sind die Handlungsorte. Die kaum Worte fin­dende “Kameradschaft” der drei Protagonisten ist – wie sich im Laufe des Buches her­aus­stellt – eine wahre Freundschaft.

Das Leben des Ich-Erzählers plät­schert dahin; ohne Sinn, ohne Ziel, ohne Zweck; unter­bro­chen nur von viel Alkohol. (Es nährt sich mir der Verdacht, dass Remarque Alkoholiker war; so kennt­nis­reich beschreibt er die ver­schie­de­nen Alkoholika, so ver­brämt er die Wirkung der Getränke und – so viel ver­tra­gen seine Protagonisten. In die­sem Buch ist es Rum, den er ver­göt­tert, im Arc de Triomph) ist es Calvados.)
Und plötz­lich taucht eine Frau in dem Buch auf; eine Frau und eine große Liebe.

Und ebenso plötz­lich bekommt das Leben des Ich-Erzählers eine Richtung, einen Zweck.
Doch Remarque ist ein zyni­scher Pessimist: es darf kein Happy-End geben. So endet der Roman mit dem Tode der gelieb­ten Frau.

Ich finde an sei­nem Romanen (ich lese bereits den Arc de Triomph) bezeich­nend, dass der Liebe zwi­schen Mann und Frau wenig Hoffnung, wenig Bestand gewährt wird; die Freundschaft unter Männern ist ihm sta­bi­ler. Und doch gibt es ein gro­ßes Sehnen Remarques nach dem, was ihm unwahr­schein­lich scheint.
In den Dialogen zwi­schen Männern gibt es kurze, schnelle, prä­gnante Sätze. Die Ansprachen an die Frauen hin­ge­gen sind vol­ler Poesie, vol­ler Bilder und Metaphern (so redet in Wirklichkeit nicht nur kein Mann, son­dern ver­mut­lich nie­mand).
Es ist die ver­zwei­felte Sehnsucht eines Menschen, der das Elend erlebt hat und das Träumen nicht las­sen kann. Und die Träume nicht ver­ges­sen.

Nic

Über den Autor

Nic

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

Kommentare sind geschlossen