[Erstveröffentlichung: 10. April 2008]

bibel schwert Barbara Tuchman   Bibel und SchwertDas also war das von mir mit Spannung erwar­tete Palästina-Buch von Barbara Tuchman… und als ers­tes muss ich fest­stel­len, dass ich nichts weiss.
Nichts (oder nur sehr sehr wenig) vor allem über die Geschichte Englands. Und da Tuchman vor allem dar­auf auf­baut kann ich mir über viele in den ers­ten bei­den Dritteln des Buches gemachte Aussagen kaum ein eige­nes Bild machen. Schade. Hier muss ich erst ein­mal woan­ders nach­le­sen und dann die­ses Buch noch ein­mal.

Aber alles, was die Zeit der zio­nis­ti­schen Bewegung, was einen Theodor Herzl betrifft… da betrete ich wie­der siche­ren Boden.

Die Ursprünge von Englands Rolle in der Restauration Israels … fin­den sich in zwei Motiven, einem reli­giö­sen und einem poli­ti­schen. (Seite 9)

Von die­ser Annahme aus­ge­hend ver­fährt Tuchman (wie gewohnt) damit, Berge an Quellen zitie­rend, eine Theorie zu ent­wi­ckeln, wes­halb England letzt­lich durch die sog. Balfour-Declaration zur “Geburtshelferin des Staates Israel” wird.

Tuchman geht davon aus – um das obige Zitat zu erklä­ren – dass sich England, geprägt durch die strenge und alt­tes­ta­men­ta­ri­sche Religiosität der Puritaner an das Ursprungsland des Christentums, Palästina, gebun­den oder ihm ver­pflich­tet fühlt. So waren die ers­ten Ideen, die­ses Land wie­der jüdisch zu besie­deln, allein reli­giös deter­mi­niert.

Mit dem Zusammenbrechen (oder schon dem sich ankün­di­gen­den Zusammenbrechen) des Osmanischen Reiches aller­dings über­wo­gen immer mehr macht­po­li­ti­sche Ziele. Immerhin lag (und liegt) Palästina am Suez-Kanal – dem einem, wich­ti­gen (stra­te­gi­schen) Punkt, an dem die Kolonialmacht Großbritannien ihren Seeweg nach Indien sichern wollte (und musste). Hier kamen die – erst noch reli­giös ver­bräm­ten – Ideen einer (Wieder)Besiedlung Palästinas mit Juden gerad recht. Gingen die Entscheider doch immer davon aus, dass die Juden ein rei­ches, ein han­deln­des Volk sind… und das ist typisch Tuchman: zeigt sie doch auf, dass genau das nur Wunschdenken und irrige Annahmen sind. Denn die ers­ten Siedler waren rus­si­sche, ver­trie­bene Juden. Die Ärms­ten der Armen.

Das Buch endet mit der Feststellung, dass die Mandatschaft, die England gegen­über dem Völkerbund für Palästina über­nahm, keine eigent­li­che Über­nahme im völ­ker­recht­li­chen Sinne war, son­dern – da die eng­li­schen Armeen in die­sem Land noch stan­den und England damit die Macht dort inne hatte – der Völkerbund die Tatsachen nur aner­kannte, die England geschaf­fen hatte.

Was aus die­ser Mandantschaft wurde, wie es zur Gründung des Staates Israel kam… all das ist (lei­der) nicht mehr Inhalt des Buches.

Fazit: eine inter­es­sante Theorie von der Tuchman logisch auf­ge­ar­bei­tet – und mir man­gels Geschichtskenntnissen an eini­gen Stellen völ­lig ver­schlos­sen. Das Buch liest sich – wie alle von ihr – gut, flüs­sig und ist von einer kla­ren, logi­schen Sprache. Aber mei­ner Meinung nach setzt es – gerade auch was Namen und geschicht­li­che Zusammenhänge angeht – zu viel vor­aus, als dass es ein Unbedarfter Leser wirk­lich ver­ste­hen kann.

Nic

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