[Erstveröffentlichung: 31. Juli 2007]

iranblogbuch Nasreen Alavi   Wir sind der IranOft werde ich gefragt, wes­halb und vor allem: für wen ich blogge. Und – zuge­ge­ben – mir fällt die Antwort dar­auf nicht leicht. Denn der Blog hier ist doch eher so etwas wie eine Nabelschau und ich maße mir nicht an, damit in irgend­ei­ner Weise Wirkung zu erzeu­gen. Der Untertitel “unmaß­geb­li­che Meinungen” spricht für sich.

Das Buch jedoch, um das es hier geht, zeigt eine ganz andere Art von Wirkung, die ein Blog haben kann.

Es gibt mehr als 65.000 ira­ni­sche Weblogs – mehr als in deut­scher, ita­lie­ni­scher oder spa­ni­scher Sprache.

(Quelle: Umschlagtext)

Das ist kein Zufall.
Im Gegensatz zur Selbstdarstellung (die auch bei den Persern nicht ganz aus­zu­schlie­ßen ist), die unsere Blogs beherrscht, sind die im Buch benann­ten vor allem der Versuch eines jun­gen Volkes, sich gegen die Mullahs eine öffent­li­che Stimme zu suchen.
Unser (west­li­ches) Bild des Iran ist beherrscht von den Bildern, die uns die Medien zei­gen: böse Mullahs, tief ver­schlei­erte Frauen, Bombenleger, Moscheen und Armut.
Doch gibt es auch ein ande­res Persien: eines, in dem mehr als die Hälfte der Bevölkerung unter 30 Jahre ist; eines, in dem diese jun­gen Menschen hoch­ge­bil­det sind und die Technik (Internet) beherr­schen; eines, in dem gefei­ert wird – trotz Aufpassern und Polizisten.

Ich führe einen Weblog, damit ich in die­ser sti­cki­gen Luft über­haupt atmen kann…

S. 12

Den größ­ten Segen, den die isla­mi­sche Rebublik uns gebracht hat, ist, dass uns heute über­haupt nichts mehr hei­lig ist. … Jetzt ist es schon soweit, dass die her­an­wach­sende Jugend, die ver­meint­lich unter der Herrschaft von “Gottes Vertreter auf Erden” steht, sogar die Existenz Gottes selbst leug­net.

S. 21 f.

… was kommt her­aus, wenn man unauf­hör­lich mit hei­li­gen Informationen bom­bar­diert wird … Vor ein paar Tagen sah ich, wie ein Bauarbeiter direkt neben einer Zementmischmaschine freid­lich schlief. Offenbar war er für den unsäg­li­chen Lärm taub gewor­den. Nach so vie­len Jahren, in denen man dich mit reli­giö­sen Fakten bom­bar­diert hat, hörst du sie ein­fach nicht mehr

S. 25

Diese Zitate soll­ten genü­gen, um einen Einblick zu ver­schaf­fen, wel­chen Zweck Blogs im Iran erfül­len. Und wie weit das, was da geschrie­ben wird, sich von dem unter­schei­det, was unser Bild von Persien ist. (Und wie sehr diese Situation der ähnelt, die allen bekannt ist, die zum Ende der DDR jung waren.)

Dieses Buch ist ein sehr wich­ti­ges Buch: für Blogger, um sich selbst zu ver­or­ten in der Blogosphäre; für Menschen, die inter­es­siert sind an Informationen außer­halb des Mainstreams; für Neugierige, die Tellerränder als Grenze nicht akzep­tie­ren und für alle, die eine andere Seite des Orient ken­nen ler­nen wol­len.

Nic

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Über den Autor

Nic

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

One Response to Nasreen Alavi – Wir sind der Iran

  1. [...] zusam­men, ist zu gro­ßen Teilen Hoder zu ver­dan­ken. Man schaue noch ein­mal in das Buch “Wir sind der Iran” von Nasreen Alavi, um auch nur ansatz­weise zu begrei­fen, was das [...]