[Erstveröffentlichung: 13. Juni 2007]

ueberw strafen Michel Foucault   Überwachen und StrafenManchmal nehme ich mir etwas vor. Und manch­mal halte ich mich gar selbst daran. Wie bei die­sem Buch, das ich zu lesen ich vor­hatte.

Das Buch beginnt spek­ta­ku­lär: mit der Beschreibung einer Marter- und Folterszene.
Wer das hin­ter sich gebracht hat kann ein­stei­gen in die Welt des Michel Foucault.

Wir hören jeden zwei­ten Tag, wie frei (in Relativität zu wem?) wir sind; wie selbst­be­stimmt wir leben kön­nen in die­sem Land. Und – ja – es geht uns gut.
Aber zu wel­chem Preis?

M. Foucault zeigt auf, wie Machtstrukturen ent­stan­den sind, sich ver­fes­tigt haben und noch immer wir­ken. Die Entwicklung, der Fortschritt (wenn man so sagen kann) besteht darin, dass wir heute nicht mehr bemer­ken, wie grund­sätz­lich und umfas­send wir mani­pu­liert wer­den. Und dies als gege­ben und unab­än­der­lich hin­neh­men.
Wie Lemminge füh­len wir uns wohl auf auf dem Weg. Egal, wohin der führt.
Die Untersuchungen zur “Geburt des Gefängnisses” (so der Untertitel des Buches) macht Foucault am Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Und er führt aber auch aus, dass sich die Strukturen in den letz­ten 150 Jahren nicht ver­än­dert haben; nur dif­fe­ren­zier­ter wur­den.

Worum es letzt­lich geht, ist der Versuch, nach­zu­wei­sen, dass wir in einer völ­lig über­wach­ten Gesellschaft leben – Teil davon sind und selbst über­wa­chen. (Ich rege mich immer auf, wenn Autos falsch par­ken; selbst wenn ich davon über­haupt nicht betrof­fen bin. Ich bin Teil des Über­wa­chungs­staa­tes: das ist so sehr ver­in­ner­licht, dass es mir in die­sen Momenten per­vers rich­tig erscheint, mich auf­zu­re­gen.)

An Gefängnis-Krankenhaus-Werkstatt-Schule (alles Orte und Institutionen, an denen der Einzelne der Macht unein­ge­schränkt aus­ge­setzt ist) zeigt er, wie der Be-Mächtigte unmerk­lich dres­siert, ange­passt und (dies scheint mir jedoch neue­ren Datums) ver­dummt wird. Um in einer Gesellschaft zu funk­tio­nie­ren, die nur auf den Profit eini­ger Weniger aus­ge­rich­tet ist und ansons­ten sich zwar den Nimbus der Freiheit gibt aber im Innersten jedem Mitglied der Gesellschaft (Gemeinschaft) Zwänge auf­er­legt. Die Jener aber nach Möglichkeit nicht spü­ren sollte. (Lass uns “Big Brother” auf RTL II sehen…)Was mich per­sön­lich beim Lesen sehr betrof­fen machte: Was Michel Foucault über die zwin­gende Notwendigkeit der Entwicklung eines staat­li­chen Über­wa­chungs­in­stru­men­ta­ri­ums beschreibt, hat mich fatal an die (nicht immer so unauf­fäl­lige) Über­wa­chung in der DDR erin­nert. Es war ja – mei­ner Meinung nach – nicht nur die Stasi, die im Privatleben schnüf­felte; es war der Nachbar, es war der Freund… es war eine sys­tem­im­ma­nente, weil bequeme – und Vorteile ver­spre­chende – Machtausübung.

Vielleicht sind “wir Deutschen” beson­ders emp­fäng­lich dafür… Nach oben buckeln, nach unten tre­ten.
Auch wenn Foucault das fran­zö­si­sche Strafsystem betrach­tet: auch er geht davon aus, dass das Vorbild für die Armeen des begin­nen­den 19. Jahrhunderts die der Preußen war.

Alles in Allem ein sehr lesens­wer­tes (wenn auch nicht leicht les­ba­res) Buch, dass Jedem zu emp­feh­len ist, der Interesse daran hat, hin­ter die Kulissen zu sehen. (Und viel­leicht ver­steht man so auch bes­ser, das es zwin­gend und logisch ist, dass im sog. “schwar­zen Block” bei den Demos in Heiligendamm auch Polizisten in Zivil als Provokateure dabei sind.)

Nic

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Nic

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