Month: August 2010 (page 3 of 11)

Sarra[und kein Ende]zin

Ich wollte doch nur ein paar Blogbeiträge lesen… und schauen, was andere über mein aktu­el­les Thema so schrei­ben. Dabei bin ich so sehr fün­dig gewor­den, dass ich mich allein auf Links beschrän­ken muss.

Telepolis: Sarrazin weicht Kritikern aus

Jörg Lau (ZEIT): Soll man Sarrazin aus­gren­zen?

Plazeboalarm (Science Blogs): Sarrazin baut sich die Statistik selbst

Wissenrockt: Sarrazin und das Ende der Geduld

Burks’ Blog: Sie wer­den assi­mi­liert, revi­si­ted (Danke für das Trackback)

Der Schockwellenreiter: Auf dem Weg nach Rechtsaußen

Feynsinn: Springer sucht den deut­schen Haider

Nic

Fundstücke 17

Die Titanic hat es mal wie­der auf den Punkt gebracht…

fin­det

Nic

Hinrichtungen als politische Waffe in der Islamischen Republik Iran

[via Facebook]

Vortrag und Diskussion mit Mina Ahadi: Eine Veranstaltung des Bündnis gegen Steinigungen und Hinrichtungen

Der Fall der wegen „Ehebruch“ zum Tod durch Steinigung ver­ur­teil­ten Iranerin Sakineh Mohammadi Ashtiani hat welt­weit zu Protesten und Berichten geführt. Frau Ashtiani wurde bereits mit 99 Peitschenhieben gefol­tert und ihr droht noch immer die Hinrichtung. Doch han­delt es sich bei ihr nicht um einen Einzelfall, viel­mehr gehö…ren Hinrichtungen von Beginn an zu den poli­ti­schen Waffen der Islamischen Republik. Öffent­lich zele­brierte Steinigungen und Hinrichtungen am Galgen die­nen dem Regime als Machdemonstrationen. Mit offe­nem Terror soll beson­ders gegen Frauen und Homosexuelle die isla­mi­sche Sittenordnung durch­ge­setzt und jede als „Verwestlichung“ beschrie­bene kul­tu­relle Freiheit bekämpft wer­den. Auch die poli­ti­sche Opposition wird mit Mord und Folter ein­ge­schüch­tert und geschwächt, berüch­tigt sind etwa die Gefängnismassaker von 1988, für die zahl­rei­che der heu­ti­gen Machthaber ver­ant­wort­lich sind.
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Die Frauen in Saudi-Arabien feiern

denn ab sofort müs­sen sie nicht mehr in bren­nen­den Häusern, auf Straßen und in Autos still ver­re­cken. Denn - man höre und staune - ab sofort dür­fen auch Frauen und Mädchen geret­tet wer­den! Von der Feuerwehr! Und viel­leicht sogar darf ein Arzt eine Frau behan­delt. Aber nur viel­leicht. Und es darf auch kein Hardliner in der Nähe sein.

Uns im auf­ge­klär­ten Mitteleuropa mag das wie eine Geschichte aus fer­ner Vergangenheit vor­kom­men. Und es ist doch kein Märchen aus 1001 Nacht. Sondern die Realität um uns herum.

Doch gibt es kaum Jemanden, der mit dem Finger dort­hin zeigt; eher greift man sich die ein­hei­mi­schen Muslime. Die haben ja auch kein Erdöl zu ver­kau­fen.

Für das “schwarze Gold”  kann man schon mal über gra­vie­rende Menschenrechtsverletzungen hin­weg­se­hen. In Saudi-Arabien sowieso; in Iran eben­falls (noch sind die Ölquel­len dort nicht auf­ge­ge­ben… von BP und Konsorten).

Die Zeit schreibt:

Denn um die Rechte von Frauen ist es in Saudi-Arabien nach wie vor schlecht bestellt. Behandelt wer­den sie wie Minderjährige. Sie dür­fen nicht wäh­len oder Auto fah­ren. Mit fünf Prozent ist der weib­li­che Anteil auf dem Arbeitsmarkt der nied­rigste der Welt. Wer als Frau rei­sen, hei­ra­ten, ein Konto eröff­nen oder einen Arzt auf­su­chen will, braucht die Genehmigung eines männ­li­chen Familienmitglieds. Ein Vater kann seine 12-jährige Tochter sogar zur Ehe mit einem 80-Jährigen zwin­gen. Schulen und Universitäten sind strikt nach Geschlechtern getrennt.

Gegen die Wahabiten sind die ira­ni­schen Mullahs fast Waisenknaben. Allerdings wird - soweit ich weiß - in sau­di­schen Gefängnissen nicht mas­sen­exe­ku­tiert, ver­hand­lungs­los gemor­det und eine ganze Bevölkerung gewalt­sam unter­drückt.
Aber ich kann das nicht als Fortschritt bezeich­nen, wenn die ira­ni­schen Mullahs Frauen und Männer unter dem Strang gleich berech­ti­gen.

Religion - und vor allem, wenn sie den Staat deter­mi­niert - ist immer men­schen­rechts­ver­ach­tend. Immer.

Nic

“Feindschaft gegen Gott”

IranWeil ich heute noch nichts Eigenes zustande bekom­men habe, möchte ich hier auf einen Artikel bei Telepolis ver­wei­sen:

Oppositionelle in Iran müs­sen wei­ter­hin mit dem Schlimmsten rech­nen, wie das Beispiel der Bloggerin Shiva Nazar Ahari zeigt

Die Nachrichten von der ira­ni­schen Opposition sind spär­lich gewor­den. Besucher aus dem Land spre­chen von einem Klima der Angst, poli­ti­sche Äuße­run­gen unter­lasse man bes­ser. Selten, dass etwas nach außen dringt; nach den Schauprozessen im ver­gan­ge­nen Jahr und den von Karubis gemach­ten Äuße­run­gen über die kör­per­li­che Misshandlungen von ver­haf­te­ten Oppositionellen im Gefängnis ist es voll­kom­men still gewor­den, was das Schicksal der fest­ge­nom­men Dissidenten angeht.

Nichts hatte man bei­spiels­weise mehr über das Schicksal von Hoder Derakhshan erfah­ren - einst­mals eine Berühmtheit im welt­wei­ten Netz, “Godfather der ira­ni­schen Blogger” wurde er genannt. Seit sei­ner Festnahme vor knapp zwei Jahren gab es so gut wie keine Nachrichten über den Blogger.

Vergangene Woche, am 18.August, hieß es dann, das Gerichtsverfahren gegen ihn sei vor drei Wochen zuende gegan­gen. Das Urteil: unbe­kannt. Die Quelle die­ser Nachricht ist seine Schwester. Die Familie, so wird sie zitiert, warte ban­gend auf das Urteil.

Dass sie Grund zur gro­ßen Sorge hat, zeigt ein ande­rer Fall einer bekann­ten ira­ni­schen Bloggerin, auf den die Organisation Reporter ohne Grenzen seit Anfang die­ser Woche auf­merk­sam macht. Es geht um die 26-jährige Bloggerin Shiva Nazar Ahari. Interessierten, die über den Tellerrand der im Namen der “gro­ßen Politik” pro-oder anti­ira­nisch geführ­ten Lagerfechtereien - all­zu­oft Stellvertreterdiskussionen, bei denen es um alte anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Deutungshoheiten geht - hin­aus­schauen, dürfte die Website der Menschrechtsorganisation “Committee of Human Rights Reporters” (CHRR) viel­leicht bekannt sein. Nazar Ahari war ein Gründungsmitglied.

Seit 2002 wurde Nazar Ahari vier­mal ver­haf­tet, infor­miert Reporter ohne Grenzen. Unter wel­chen will­kür­li­chen, fal­schen Anklagen die Verhaftungen vor­ge­nom­men wer­den und wie die Haftbedingungen aus­se­hen, dar­über gab Nazar Ahari in einem Interview im Oktober letz­ten Jahres Auskunft, worin sie über Einzelhaft, Demütigungen und schwere Schläge berich­tet: […]

gesam­ten Artikel bei Telepolis lesen

Sarrazin im Medienrummel

Vielleicht haben ja doch die Recht, die der Meinung sind, dass die­ser Maulheld die Aufmerksamkeit nicht ver­dient, die er im Moment medial bekommt. Allein im Bloghaus gibt es in den letz­ten Tagen min­des­tens vier Artikel, die sich mit die­sem Demagogen befas­sen. Etliches mehr dazu und dar­über habe ich gele­sen.

Und doch bin ich der Meinung, man darf nicht schwei­gen, wenn man den Eindruck hat, dass hier in der Maske der Mehrheitsmeinung etwas gesagt und geschrie­ben wird, das hart an der Grenze zur Volksverhetzung ist.

Sicherlich ist es bit­ter not­wen­dig, über die Themen, die Sarrazin anspricht, zu reden. Doch ist es dabei ebenso not­wen­dig, mehr als nur popu­lis­ti­sche Sprüche zu klop­fen. Sondern über Ursachen, soziale Gründe und Bedingungen und vor allem: Ideen, den Missständen abzu­hel­fen, zu reden. Das ist jedoch nicht das Konzept des Herrn Sarrazin und sei­ner Nachbeter. Es gilt ein­zig, ein neues Feindbild zu erschaf­fen. Und da es eine Minderheit trifft, gelingt das auch vor­treff­lich. Zumindest in Blättern wie der BILD. Und bei der NPD. Ich mag gar nicht die Geschichtskeule her­vor kra­men und an die End-Zeit der Weimarer Republik erin­nern… die Bedingungen waren andere. Aber ich kann auch nicht dabei ste­hen und still schwei­gend zu sehen, wie laut­halse Demagogen Sturm gegen die Demokratie lau­fen.

Ich möchte hier nur einen Über­blick geben über die Stimmen, die ich in den letz­ten zwei Tagen und inter­es­sant fand:

Die TAZ klingt iro­nisch, wenn sie titelt: “Seine Alarmiertheit Thilo Sarrazin, Bundesbanker, befürch­tet im Majestätsplural, dass wir alle aus­ster­ben und durch Kopftuchträgerinnen ersetzt wer­den.“
Aber auch die TAZ hält den media­len Rummel vor dem Erscheinungsdatum des Buches für gesteu­ert, um den Verkauf anzu­kur­beln. Insofern ist dem Verlag und Sarrazin ein Meisterstück gelun­gen.

Der Oeffinger Freidenker rech­net mit der Linken ab, die reflex­ar­tig auf Sarrazin rea­giert, ohne jedoch (und ich hoffe, darin unter­scheide ich mich von den Gemeinten) auf die Ursachen der tat­säch­lich in der Mitte der Gesellschaft ange­kom­me­nen Vorurteile gegen Migranten ein­zu­ge­hen. Er unter­stellt ihnen (also den Linken) eine Blindheit auf dem Problemauge, weil “nicht sein kann, was nicht sein darf”.

Machen wir uns doch gar nichts vor: Sarrazin trifft mit sei­nen Positionen die Erfahrungs- und Lebenswirklichkeit von Millionen Menschen - und eben nicht nur deren Vorurteile - exakt auf den Punkt. Insbesondere die per­ma­nent wach­sende mus­li­mi­sche Bevölkerungsgruppe (1991: 1,5 Mio., heute rund 4 Mio.) wird von der Mehrheit der Bevölkerung (Alle Umfragen zei­gen das) in einer Mischung von Unbehagen und dem Gefühl wach­sen­der Bedrohung emp­fun­den (ob zu Recht oder zu Unrecht mag dahin­ge­stellt sein, es ist so!).

Doch schreibt er wei­ter - und regt damit genau die Art Diskurs an, an dem mir auch gele­gen ist:
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Kein Podium für geistige Brandstifter im Haus der Bundespressekonferenz!

[Pressemitteilung Bündnis „Rechtspopulismus stop­pen“]

Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, das es zu schüt­zen gilt. Wenn jedoch Organisationen oder ein­zelne Personen die Meinungsfreiheit für ihre ras­sis­ti­sche Stimmungsmache miss­brau­chen, um so zu ver­su­chen, die Abgrenzung zu Rassismus auf­zu­he­ben bzw. zu unter­lau­fen, sind wir alle gefor­dert.

Eben aus die­sem Grunde ist es höchste Zeit, sich des „Wirkens“ eines Herrn Thilo Sarrazin, sei­nes Zeichens Bundesbankvorstand, anzu­neh­men. Nicht umsonst wer­den er und sein pseu­do­wis­sen­schaft­li­ches Werk „Deutschland schafft sich ab“ so eif­rig u.a. von den RechtspopulistInnen von „Pro Deutschland“ um- bzw. bewor­ben. Thilo Sarrazin hat nach Meinung des säch­si­schen NPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel sogar ein „regel­rech­tes NPD-Buch“ geschrie­ben. ”Der Bundesbanker mache die Über­frem­dungs­kri­tik der NPD end­gül­tig salon­fä­hig”, hofft der NPD-Abgeordnete.

In ana­lo­ger Wortwahl, mit glei­chen Argumenten und schein­bar glei­cher Intention kün­digt Sarrazin in den von der „Bild“ und vom „Spiegel“ vorab ver­öf­fent­lich­ten und vom Verlag DVA geneh­mig­ten Auszügen das Aussterben der „Deutschen“ durch eine Islamisierung Deutschlands an und ver­sucht Ängste zu schü­ren. Ganz im Sinne bereits frü­her gemach­ter unsäg­li­cher Äuße­run­gen über eine angeb­li­che Vererbbarkeit von Intelligenz, kon­stru­iert Sarrazin darin eine homo­gene mus­li­mi­sche Bevölkerungsgruppe, um sie pau­schal stig­ma­ti­sie­ren zu kön­nen. Unabhängig davon stellt er, wie schon so oft seine eigene Unkenntnis über die Heterogenität ver­schie­de­ner Religionsgemeinschaften sowie die Struktur bestimm­ter von ihm als nega­tiv oder posi­tiv ein­ge­stuf­ter Bevölkerungsgruppen bzw. Herkunftsstaaten unter Beweis.
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Fundstücke 16

Ich habe mal wie­der einen fei­nen Twitterspruch gefun­den:

Und völ­lig unab­hän­gig vom Homöopathie-Bashing erin­nerte ich mich an den Film, den Claus Kittsteiner vom Berliner Wassertisch letz­tens vor­ge­führt hat (“Wasser unter’m Hammer” von Leslie Franke).
Darin war unter ande­rem auch über die völ­lig deso­late Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Londons die Rede. Unter ande­rem kam auch die Tatsache zur Sprache, dass im Oberlauf der Themse eine Kläranlage mehr schlecht als recht gerei­nig­tes Abwasser ein­lei­tet, wäh­rend etwas wei­ter fluss­ab­wärts Wasser zur Trinkwasserversorgung ent­nom­men wird.

Wenn man also in London einen Wasserhahn auf­dreht kann man sich rela­tiv sicher sein, dass die­ses Wasser “schon ein­mal zu Besuch” war…

Nic

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