Sarrazin und neue Links
Denn inzwischen haben auch die etwas dazu geschrieben, die ich gern lese und von denen ich lernen möchte:
Beim Spiegelfechter scheint Axel Weipert bereits das Buch gelesen zu haben, seine Analyse “Der elitäre Kleinbürger” ist schon sehr detailliert. Detaillierter als es möglich wäre ohne Kenntnis des ganzen Buches.
Niggemeier berichtet, wie der Focus Thilo Sarrazins „Ehre” rettet und beim Sprengsatz findet sich die Idee wieder, dass es Sarrazin gelingen könnte, der Kopf einer Partei rechts der CDU zu führen. Das ist eine Befürchtung, die ich teile.
Jörg Lau schließt die Kommentare seines Blogs, weil er wohl ebenfalls keine Lust mehr hat, von denkbefreiten und unbelehrbaren Sarrazin-Fans mit Kommentaren zugespammt zu werden.
Bei Telepolis versucht Florian Rötzer aufzuzeigen, weshalb Sarrazin dermaßen kontrovers diskutiert wird (und das noch vor Erscheinen des Buches): “Sarrazin bedient krude Rassenlehre”
Und gerade berichten die Radio-Nachrichten darüber, dass Sarrazin aus der Politik der Wind entgegen weht. Nun bleibt abzuwarten, ob das Konsequenzen haben wird.
Nic
6 Responses to Sarrazin und neue Links

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Provokation verkauft!
Meine Vermutung ist, dass es Herrn Sarrazin nur darum geht möglichst viel Aufmerksamkeit für sein neues Buch zu erregen. Und das funktioniert ja perfekt, in keiner Meldung im Internet, in Interviews, den Zeitungen und im Radio fehlt der Hinweis auf dieses Buch. Das wird seine Wirkung nicht verfehlen, ein Platz in der Bestseller-Liste ist ihm gewiss.
Das ist ein Problem der Aufmerksamkeitsökonomie.
Danke für die Zusammenfassung und die Link-Hinweise.
[...] This post was mentioned on Twitter by sasiflo, Nic. Nic said: Neu im Blog: Sarrazin und neue Links http://goo.gl/fb/MY4Ft [...]
Eine bessere und vor allem kostenlose Werbung für sein neues Buch kann sich Sarrazin gar nicht wünschen. Wenn das so weitergeht, dann kennt es auch der letzte in unserem Land. Zugegebenermassen habe ich es noch nicht gelesen und kann also nicht mitsprechen, allerdings wird man es lesen müssen um sich aus erster Hand eine Meinung zu bilden und das Buch entsprechend beurteilen zu können.
Wenn es eine Partei rechts von der Union geben sollte, dann würde sie sich um einen Außenseiter, um einen charismatischen Einzelkämpfer gruppieren. Um einen Provokateur wie zum Beispiel Thilo Sarrazin. Er wäre der einzige, der heute eine solche Bewegung gründen könnte. (sprengsatz)
Ich glaube das nicht. Thilo Sarrazin ist zu elitär. Sein Fanclub liest ja sein Buch kaum, und wenn, dann nur selektiv. Thilo verachtet die dumme Masse, und er lässt seine Verachtung raushängen. Die Unterschicht ist für ihn genetisch minderwertig. Deutschland müsste seiner Meinung nach “aufgeostet” werden – viele genetisch bedingt intelligentere Osteuropäer und Ostasiaten importieren, um das Defizit an Kindern intelligenter Menschen zu kompensieren.
Das mit dem Ausgrenzen und Rausdrängen von Muslimen findet der Fanclub natürlich super, und dass es von einer “repektablen” Person der Mitte kommt und argumentativ entwickelt wird. Da braucht der Fanclub dann gar nicht mehr viel zu argumentieren, man sagt nur noch Sarrazin! – und im übrigen sammelt man wieder Koranzitate und Kriminalfälle.
Wie soll ein Sarrazin hier in Deutschland – bei der historischen Sensibilität im Lande und unter den Nachbarn, bei der exportwirtschaftsbedingten besonderen Empfindlichkeit Deutschlands – einen Teil der Elite dafür gewinnen, um eine aussichtsreiche rechtspopulistische Partei gründen zu können? Wilders in Holland arbeitet aus gutem Grund als EinMannPartei – fast alle seiner Anhänger sind chronisch politik-unfähig und würden seine PVV rasch im internen Streit zugrunde gehen lassen. In Deutschland geht so eine EinMannPartei aus Verfassungsgründen nicht.
Die kategorische Politikunfähigkeit ist etwas, das die Rechtspopulisten, das den Sarrazin-Fanclub kollektiv auszeichnet. Mit oder ohne Sarrazin: Man braucht, um wirklich Politik machen zu können, einen halbwegs pragmatischen, sachlich orientierten, organisationstalentierten Stamm von Mitgliedern. Das mach mal mit all den Heinis, die millionenfach die Kommentarteile im Internet überschwemmen. Die taugen nicht für irgend eine Organisation. Da liegt ein interessanter Unterschied zur Weimarer Republik.
Was mir jetzt natürlich fehlt ist eine hinreichende Antwort auf die Frage, wie es die FPÖ und die Lega Nord geschafft haben – und ob es in deren Art und Weise eine Möglichkeit auch in Deutschland gäbe. In Deutschland geht das so nicht.
Die Lega Nord betreibt gemäßigten Separatismus und bezieht daraus ihre Existenzberechtigung; dafür gibt es bei uns keinen Ansatz.
Die FPÖ? – Darüber muss ich noch nachdenken. Es hat vielleicht damit zu tun, dass Österreich sich ja eher als Opfer des Nationalsozialismus sieht und darum bedenkenloser anknüpft an die braune Tradition. Die ÖVP hat dazu beigetragen, dass die Rechtsradikalen salonfähig geworden sind – die CDU/CSU versucht gerade, diesen Fehler zu vermeiden.
Weshalb hast das Thema fallen gelassen, Nic?
Hab ich ja nicht. Ich will aber wirklich erst das Bauch lesen, ehe ich mich dazu äußere.