Sarrazin… mal wieder
Wer das Bloghaus kennt, weiß, dass ich Herrn Sarrazin für einen von denen halte, die einen Rassismus an- und aussprechen, wie er (leider) bereits in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. Ich sehe ihn in deutlicher Nähe zu den Damen und Herren (vor allem zweiteres) von Pro-Deutschland und Ähnlichen.
Um so erfreuter war ich, dass ich heute bei den Science Blogs einen Artikel fand, der genau meine Argumentation wiedergibt: nämlich nicht auf Migranten einzuprügeln, weil sie schlecht bis gar nicht in die Gesellschaft intrigiert sind; sondern nachzufragen, weshalb das so ist.
…und warum schreibe ich dann hier? Warum schimpfe ich über Thilo Sarrazin und andere unterstelle ihm rechtsextremes Gedankengut? Hole die Nazikeule raus?
Weil es oberflächlich ist. Weil er an keiner Stelle nach dem “Warum” gefragt hat und somit unterstellt: Sie hätten einen angeboren niedrigeren IQ, wollen nur die Solidargemeinschaft ausnutzen und werden über kurz oder lang einfach durch ihre große Anzahl, ich weiss nicht genau, wahrscheinlich die gesamte Wirtschaft ruinieren oder gar bei den Wahlen eine türkische Partei aufstellen.
Die Autorin, Andrea Thum, beendet ihren lesenswerten Artikel mit den Sätzen:
Sarrazin & Co. stacheln bewusst auf. Sie verstärken mit ihren Äußerungen gezielt Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Ausländern oder auch Arbeitslosen. Sie erwähnen absichtlich nicht die (sozialen) Hintergründe, die zu der derzeitigen Situation geführt haben. (Wer jetzt meint, das wäre alles keine Absicht gewesen, der möge erklären, warum dann Leute, die nicht in der Lage sind, ein bisschen nachzudenken, solche Posten kriegen und sich als Elite ansehen dürfen).
Die Spaltung der Gesellschaft wird durch solche Demagogen immer tiefer. Das sind verbale Brandstifter. Die meiner Meinung nach den sozialen Frieden bewusst aufs Spiel setzen und so den Boden bereiten nicht nur für Ausländerfeindlichkeit und Rassismus. Sondern auch als Vorhut des Neoliberalismus zu sehen sind. Denn eine zerstrittene Gesellschaft ist eine, die nicht darauf mehr achtet, was die Regierung mit ihr tut. Es ist eine, die nur noch nach unten tritt (und nach oben buckelt).
Wir müssen verdammt aufpassen, auf wen wir hören und ob das Schaf nicht ein Wolf ist. Nicht alle zeigen ihre Zähne so offensichtlich wie Sarrazin.
Im Übrigen nehme ich Wetten an: Wenn Norbert Bolz Recht behält, wird Sarrazin bald die SPD verlassen.
Nic
11 Responses to Sarrazin… mal wieder

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Ich sehe da Einiges anders.
1. Wieso sollte es oberflächlich sein, einfach die Fakten zu benennen? Besonders dann, wenn es bisher üblich war, die aus politischer Korrektheit die zu verschweigen?
2. Im Schnitt sind die Türken sicher nicht dümmer als die Deutschen. Aber dieser Schnitt ist eben nicht nach Deutschland gekommen. Gekommen sind vor allem die, die damals für “niedere” Arbeiten gebraucht wurden. Das waren dann halt hauptsächlich Leute die unter dem Schnitt lagen. Daraus kann man denen keinen Vorwurf machen. Es ist normal, dass bestimmte Auswahlkriterien bestimmte Auswahl zur Folge haben. Und die Kriterien haben die Deutschen gesetzt.
Wenn dann sogar in der zweiten Generation der IQ sinkt, kann ich mir vorstellen, dass dies ebenfalls Folge der geschlossenen Kulturkreise ist. Denn nur im gleichen Kreis, ja oft in der gleichen Familie, wurden Partner gesucht. Wenn der Kreis ziemlich klein ist kann das durchaus die geschilderten Folgen für die Nachkommen haben.
3. Auch ich denke nicht, dass die Türken Deutschland von innen erobern werden. Dass aber manche dieses Ziel haben, sowohl hier als auch in der Türkei (siehe Äußerungen von Erdokan), dürfte sicher sein.
4. Zitat: “Sarrazin & Co. stacheln bewusst auf. Sie verstärken mit ihren Äußerungen gezielt Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Ausländern oder auch Arbeitslosen. Sie erwähnen absichtlich nicht die (sozialen) Hintergründe, die zu der derzeitigen Situation geführt haben.”
Das ist für mich nichts weiter als eine aus persönlicher Zwecksicht getroffene Unterstellung. Daran ändert auch der Nachsatz “(Wer jetzt meint, das wäre alles keine Absicht gewesen, der möge erklären, warum dann Leute, die nicht in der Lage sind, ein bisschen nachzudenken, solche Posten kriegen und sich als Elite ansehen dürfen).” nichts.
Denn hier werden andere Absichten einfach ausgeschlossen. Ich gehe z.B. davon aus, dass Sarazin einfach auch Lust am Provozieren hat und diese Fakten in die Öffentlichkeit bringen wollte. Denn die wurden bis dahin eher gedeckelt. Ich gehe nicht davon aus, dass für die Autorin ander Absichten nicht
vorstellbar waren. Und so gebe ich ihr gern zurück:
Thum & Co. stacheln bewusst auf. Sie verstärken mit ihren Äußerungen gezielt Vorbehalte und Vorurteile gegenüber Andersdenkenden und Multikultikritikern. Sie unterstellen denen absichtlich falsche Absichten, um danach ihre Äußerungen mit der Nazikeule zu erschlagen.
Ich seh das – wie Du weißt – ein wenig differenzierter.
Natürlich ist es korrekt, wenn Dinge offen ausgesprochen werden. Aber es ist halt nicht korrekt, wenn Sarazzin dies in der ihm eigenen “provokanten” Art macht.
Doch offensichtlich bin ich mit meiner Ansicht etwas allein.
Ich habe gerade einen ebenfalls kritischen Kommentar bei Facebook so beantwortet:
“Worauf es mir aber insbesondere ankommt ist, dass dieses Denken, dieses Reden das Tor öffnet für Dinge, die in Deutschland zwischen ’33 und ’45 (und darüber hinaus) das Denken und (politische) Handeln bestimmten.”
Nein, Spaghettus, diese Jacke ziehe ich mir nicht an. Ich möchte aber, dass wir – wenn wir über die Probleme von Integration reden – auch hinsehen, WESHALB es sie gibt. Und welchen Anteil die Gesellschaft daran hat.
>Nein, Spaghettus, diese Jacke ziehe ich mir nicht an.
Um Monsters Willen, daran hab ich auch nicht mit einer Silbe gedacht. Das “& Co” kam, weil ich den entsprechenden Satz von Andrea Thum in der Grundstrucktur als Antwort verwendet habe. Bei dir weiß ich doch, du bist durchaus redlich im Umgang mit anderen Ansichten und Gedanken und entsprechend deine Artikel. Bei Frau Thum vermisse ich aber diese Redlichkeit, zumindest in dem Fall hier, ganz klar.
Danke
Ich bemühe mich zumindest, ausgleichend zu sein…
Lieber Nic -
Du siehst leider nichts “differenzierter” – Du schaust auf die Fakten durch eine Brille von Ideologie und Hass.
Prüfe doch einmal Deine innere Einstellung gegenüber Deinen eignen Vorfahren hier in Deutschland, gegenüber den Deutschen, die hier in Deutschland Wohlstand und Frieden geschaffen haben.
Den Migranten, die heute in Deutschland wohnen wird es nie wieder in der Zukunft so gut gehen wie heute – denn die Leistungen, die wir Deutschen für unsere ausländischen Mitbürger aufbringen lassen sich in Zukunft nicht mehr finanzieren.
Und wenn die letzten christlichen Unternehmen bankrott sind und die Wirtschaft sich so entwickelt wie in allen islamischen Ländern, dann wird auch das Bildungswesen und der Sozialstaat sich auf einem ganz anderen Niveau bewegen.
Prüfe die Fakten zu Wertschöpfung, Bildungsniveau, Arbeitsmoral und Beteiligung der Frauen am Wirtschaftsleben und Du kannst die SItuation wirklich differenziert und ohne Vorurteile und Ideologien betrachten.
Hier in Deutschland sind seit den ersten großen (und teuren) Integrationsanstrengungen des Jahres 1978 viele Anstrengungen zur Integration unternommen worden – bei vielen Ausländern wie Vietnamesen, Italienern, Polen, Russen u. a. mit großem Erfolg. Bei ebenso vielen leider mit offensichtlich negativem Erfolg.
Das ist eine differenzierte Betrachtung.
Hallo Ogdan,
na ja, ob das differenzierter ist…
Wenn ich mir Deinen Namen ansehe, soll ich davon ausgehen, dass Du türkischstämmig bist. Wenn ich jedoch Deine Argumentation lese:
kommen mir da arge Zweifel.
Sind für Dich Migranten also keine deutschen Mitbürger? Also für mich schon. Und so wie ich und jeder Bundesbürger haben die auch Rechte (und Pflichten). Und es ist an uns, es ist an der gesamten Gesellschaft, etwas dafür zu tun, dass Migranten nicht nur ihre Rechte wahrnehmen (wollen), sondern auch ihre Pflichten nachkommen. Dazu muss man sie allerdings auch lassen.
Mir vorzuwerfen, dass ich hasse ist etwa so sinnvoll, wie mich gläubig zu nennen. Es ist einfach Unsinn. Sorry, wenn ich das so deutlich ausspreche; aber ich schreibe meine Dinge nicht, um Spannungen zu erzeugen, sondern, um diese abzubauen. Ich bin eher für den Ausgleich bekannt als für Trennendes. Das würdest Du bemerken, wenn Du den einen oder anderen Artikel hier gelesen hättest.
Ich bin sehr gern bereit, mich mit Dir und jedem Anderen darüber zu streiten, weshalb die Integration Einiger gelungen ist (oder scheint) und anderer absolut nicht. Allerdings nicht auf einer Ebene, die den Migranten türkischer Herkunft erst einmal pro Forma das Recht abstreitet, als “Deutsche mit Migrationshintergrund” (wie das so schön Neudeutsch heißt) – also als Deutsche zu sehen. Erst unter der Prämisse können wir darüber diskutieren, weshalb es so schwer ist, vor allem anatolische Türken zu integrieren; welchen Anteil daran die Ghettoisierung hat, welchen die sog. “Traditionen” und welchen auch die Religion. All das sind wichtige Themen. Unbestritten. Aber nichtsdestotrotz sind das Dinge, über die man auf Augenhöhe reden muss. Und nicht Migranten nur als Bittsteller und Nutznießer sieht.
Ich war eigentlich davon ausgegangen, durch kenntlich gemacht zu haben, was ich meine: ein deutscher Mitbürger ist ein Mitbürger mit deutscher Staatsangehörigkeit, ein ausländischer Mitbürger ein Mitbürger mit einer nicht-deutschen Staatsangehörigkeit.
Grundsätzlich gehe ich davon aus, daß jeder, der die deutsche Staatsangehörigkeit hat (auch ich), die besonderen Privilegien und Pflichten genießt, die sich aus einer Staatsangehörigkeit ergeben – z. B. auch die Wehrpflicht oder die Notwendigkeit, in Krisen hier im Land zu bleiben und nicht in das Land der Staatsbürgerschaft zurückzukehren.
Ich halte es für sehr gefährlich, von einer “Spaltung der Gesellschaft” zu sprechen. Unsere Gesellschaft ist in vieler Hinsicht fragmentiert – aber sie ist nicht gespalten. Wenn es in eine derartige Richtung laufen könnte, würde ich am ehesten Entwicklungen wie in der ARD Reportage “Kampf im Klassenzimmer” beschrieben, sehen.
Da sind wir zum Glück noch lange nicht und noch bleibt ein wenig Zeit, sich um Steuerung von Zuwanderung, um Umbbau bzw. Einschränkungen von Sozialleistungen und um handhabbare Rückführungspraxis, z. B. bei schweren Straftaten oder Sozialleistungsmissbrauch, Gedanken zu machen.
Natürlich wäre es sehr schön, wenn alle Menschen überall auf der Welt Freizügigkeit genießen würden und in Frieden nach ihrem eigenen individuellen Glück streben würden. Tatsache ist aber, daß nicht jeder in ein anderes Land kommt, um dort nach individuellem Glück zu suchen. Wir sind heute sehr froh, daß die Völker der Sowjetunion nach 1939 das “Volk ohne Raum” an der Einwanderung in den “Lebensraum im Osten” hinderte!
Denkverbote oder guter Willen hilft dann nicht, wenn er nicht umsetzbar ist oder von der anderen Seite ausgenutzt wird. Ich bin gerne in Deutschland und freue mich an der jahrhundertealten Kultur, den schönen Kirchen, den ehrwürdigen Klöstern und dem lebendigen Gemeindeleben. Ich mache mir Sorgen: wie wird ein moslemisch dominierte Gemeinderat entscheiden, wenn es darum geht eine neue Moschee zu finanzieren oder ein altes Kloster instand zu halten? Die Praxis in Ägypten, der Türkei, Algerien oder Syrien spricht hier Bände – schauen Sie doch mal, wie es den christlichen Ureinwohnern dieser Staaten und den jahrtausendealten christlichen Kirchen und Klöstern dort geht.
Auch aus einer anderen Perspektive kann man die Anmerkungen von Hrn. Sarrazin nachvollziehen: schauen Sie einmal, wieviele internationale Patentanmeldungen es in überwiegend moslemisch geprägten Staaten gibt, wie sich die Produktivität in den islamischen Staaten entwickelt. Oder prüfen Sie einmal, wie sich die Erwerbsquote von moslemischen Ausländern in Deutschland in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Das alles bedroht unsere Kultur und unser tägliches Leben. Ideologien und Augen zumachen hilft nicht weiter. Man muß sich mit der Entwicklung und den Fakten auseinandersetzen und nach konkreten Lösungen suchen – und nicht die Personen diffamieren, die die Fakten aufzählen und Prognosen zu den Entwicklungen machen.
Das meinte ich.
Danke für die sehr ausführliche Antwort. Die Beantwortung werde ich in einem ausführlichen Artikel machen. Hab bitte etwas Geduld. Das Thema ist es alle Male wert, genauer besprochen/beschrieben zu werden.
Denn natürlich sind Deine Argumente nicht von der Hand zu weisen – so einfach mache ich mir das nicht.
Aber ich möchte darauf ausführlicher eingehen. Und dazu muss ich ein wenig mehr nachdenken…
[...] ich Sarrazin letztens Demagogie vorwarf, bekam ich bei Facebook dafür arge Schelte. Nun kann ich problemlos auf den BILD-Artikel [...]
[...] der SPD das noch bieten lassen, stellt sich wahrlich. Aber ich erinnere an meine Wette: Die schmeißen ihn nicht raus, die brauche ihn als Provokateur, um hinter seinem [...]