Freitag , 24 Mai 2013
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Begriffliches Umdenken?

Wer noch mei­nen alten Blog kennt, weiß, dass ich lange dar­über nach­ge­dacht und sin­niert habe, wie man die Bedrohung, die unzwei­fel­haft von fun­da­men­ta­len Muslimen aus­geht, benen­nen sollte. Der Begriff “Islamophobie” erschien mir irgend­wann als nicht mehr geeig­net. Dieses Problem habe oder hatte nicht nur ich. Armin Pfahl-Traughber schlug daher den Begriff “Antimuslimismus” vor.

Gegen diese kri­ti­sche Perspektive rich­tet sich mit­un­ter ein öffent­li­cher Diskurs, der mit dem Schlagwort der „Islamophobie“ arbei­tet. Es stellt in der Begriffswahl auf ein irra­tio­na­les Gefühl gegen­über einer Religion und deren Anhängern ab. So etwas gibt es laut einer Reihe von sozi­al­wis­sen­schaft­li­chen Untersuchungen wohl durch­aus. Gleichwohl steht der Terminus „Islamophobie“ nicht für eine inhalt­lich ange­mes­sene und trenn­scharfe Bezeichnung für das Gemeinte (…)
Kurzum, „Islamophobie“ dient in der Diskussion all zu häu­fig der Abschottung von und der Immunisierung vor Kritik. Weitaus ange­mes­se­ner wäre hier als Bezeichnung für eine grup­pen­be­zo­gene Menschenfeindlichkeit der Terminus „Antimuslimismus“, stellt er doch auf die Feindschaft gegen­über Muslimen als sozia­ler Gruppe unab­hän­gig von einer Islamkritik als Kritik an einem reli­giö­sen Glauben ab.

Im Tagesspiegel von heute gibt es einen inter­es­san­ten (Gast)Beitrag von Alexander Ritzmann, der ana­ly­siert, wie die US-Regierung unter Obama ver­sucht, zu dif­fe­ren­zie­ren zwi­schen Islam und Terror. Etwas, das lei­der sehr gern gleich­ge­setzt wird; als wäre jeder Moslem ein poten­ti­el­ler Selbstmordattentäter oder Bombenleger.

Die hier­zu­lande gebräuch­li­che Differenzierung zwi­schen Islam als Religion und Islamismus als politisch-religiöser Ideologie wird in den USA ver­wor­fen, weil die Öffent­lich­keit Schwierigkeiten habe, die „aka­de­mi­sche Unterscheidung von Islam und Islamismus“ nach­zu­voll­zie­hen. Bei der Diskussion um die rich­tige Wortwahl geht es eben nicht nur darum, ob gewählte Begriffe poli­to­lo­gisch kor­rekt sind. Wichtiger ist, ob sie geeig­net sind, das Problem in einer Art und Weise zu beschrei­ben, die auf­klärt und Muslime nicht abstößt. Der Islam wird in Deutschland fast durch­weg abwer­tend dar­ge­stellt: beim Kopftuch, dem Patriarchat, den Zwangsheiraten, den soge­nann­ten Ehrenmorden, dem Terrorismus. Dabei bleibt meist unge­klärt, was davon wirk­lich mit Religion zu tun hat. Was bleibt, ist die unter­schwel­lige These, dass etwas nicht in Ordnung sei mit dem Islam, dass er nicht zu „uns“ passe. Die Unschuldsvermutung drif­tet ab zum Schuldverdacht.

Das klingt für mich end­lich mal nach einer Stimme der Vernunft! Der Artikel sollte Pflichtlektüre wer­den für Politiker, Polizisten und Religionskritiker!

Nic

Über Nic Frank

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

3 Kommentare

  1. Leider hat sehr vie­les von dem oben genann­ten (“Kopftuch, dem Patriarchat, den Zwangsheiraten, den soge­nann­ten Ehrenmorden, dem Terrorismus”) sehr viel mit dem Islam, genauer mit dem ortho­do­xen Islam zu tun.

    Nach eige­nem tra­di­tio­nel­len Verständnis ist der Islam auch wesent­lich mehr als nur eine Religion in west­li­chen Sinne, näm­lich eine umfas­sende Lebensform. Das euro­zen­tri­sche Wort “Religion” ist ziem­lich unge­eig­net um den Islam zu beschrei­ben.

    Die Verhüllung des gesam­ten Körpers, außer Gesicht und Händen, gilt im ortho­do­xen Islam als Pflicht für alle Frauen, nicht nur Musliminnen, und darf auch mit Gewalt durch­ge­setzt wer­den, wie das z. B. im Iran und Saudi-Arabien der Fall ist.

    Nach klas­si­schem isla­mi­sche Recht der vier sun­ni­ti­schen Rechtsschulen hat der Vater und der Großvater väter­li­cher­seits als wali mudsch­bir das Recht die Braut auch gegen ihren aus­ge­spro­che­nen Willen in die Ehe mit einem belie­bi­gen Muslim zu zwin­gen.

    Eine Frau, die einen Nichtmuslim hei­ra­tet, gilt als von Islam abge­fal­len und ihr Leben gilt als nicht mehr geschützt, Sie ist sozu­sa­gen vogel­frei und kann straf­frei getö­tet wer­den. Ebenso eine Frau, die unzu­läs­si­gen Geschlechtsverkehr (zina) hat.

    Der Angriffskrieg zur Eroberung immer neuer Territorien für den Islam ist gemein­schaft­li­che reli­giöse Pficht (fard kifaya) der Gemeinschaft der Muslime, Beutemachen gilt als aus­drück­lich erlaubt. Schon Mohammed ging dabei äußert bru­tal vor und hat unter ande­rem Menschen fast zu Tode fol­tern las­sen, etwa Kinana ibn al-Rabi:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Kinana_ibn_al-Rabi

    • Leider hat sehr vie­les von dem oben genann­ten sehr viel mit dem Islam, genauer mit dem ortho­do­xen Islam zu tun.

      Das bestreite ich auch nicht. Keinesfalls.
      Doch möchte ich die Augen nicht davor ver­schlie­ßen, dass ein Großteil derer, die wir hier in Deutschland “Muslime” nen­nen weit davon ent­fernt sind, ortho­dox zu sein.
      Gegen Fundamentalismus jeg­li­cher Art und von jeder Seite her trete ich ent­schie­den ein; aber ich möchte, dass wir alle das dif­fe­ren­zierte sehen (ler­nen).

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