peace logo Presseschau Iran   ein Jahr danachHeute kann ich fest­stel­len, dass wirk­lich viele Medien berich­ten. Selbst Domradio.de:

Ein Jahr nach umstrit­te­nen Präsidentenwahl im Iran sieht Grünen-Politiker Omid Nouripour das Regime „im Ausnahmezustand“. Wie Amnesty inter­na­tio­nal bezeich­net er die Lage der Menschenrechte in sei­ner alten Heimat als alar­mie­rend: Folter und Missbrauch sind immer noch an der Tagesordnung.

Gestern habe ich bereits erwähnt, dass Obama – der gleich Präsident, der die Sanktionen gegen Iran durch­ge­drückt hat – die Welt zu Solidarität mit dem ira­ni­schen Volk auf­ruft. So berich­tet Nachrichten.ch:

«Es liegt in der Verantwortung aller freien Menschen und freien Nationen, klar zu machen, dass wir auf der Seite der­je­ni­gen sind, die Freiheit, Gerechtigkeit und Würde wol­len», erklärte Obama am Donnerstag in Washington. Der Wahlgang vom 12. Juni 2009 werde als ein Ereignis in Erinnerung blei­ben, das für «bru­tale Unterdrückung» und die «Ermordung Unschuldiger» stehe, sagte Obama.

Beim orf.at gibt es einen lesens­wer­ten Kommentar zu einem Buch, das ver­sucht, die Entwicklung des Iran im letz­ten Jahr nach­zu­zeich­nen. Es kommt zu dem Schluss:

Wer in Europa dem Irrsinn nicht offen seine Unterstützung gewährt, dul­det ihn doch, als Ausdruck von ‘Kultur’ oder der Wut des unter­drück­ten post­ko­lo­nia­len Subjekts.

Sozialismus.info ist ja sonst nicht unbe­dingt eine Quelle, auf die ich ver­weise. Aber es gibt hier eine recht gute Analyse vor allem der Frage nach der Rolle von Mussawi:

Die Bewegung ent­steht spon­tan von unten und über­rascht auch den Flügel um den oppo­si­tio­nel­len Kandidaten Mussawi. Sein Sprecher gibt im Interview mit der tages­schau zu, dass sie mit dem Ausbruch der Bewegung nicht gerech­net haben:
„Wir haben diese Ereignisse nicht vor­her­ge­se­hen und auch falsch ein­ge­schätzt, da bin ich mit Ihnen einer Meinung. Sie müs­sen aller­dings auch beden­ken, dass es im Iran gar nicht die Strukturen gibt, die eine rich­tige Oppositionsbewegung braucht. Wir haben nicht damit gerech­net, dass wir bei der Wahl so betro­gen wer­den, und danach sind die Menschen in Massen auf die Straßen geströmt, nach lan­ger Zeit mal wie­der. Auch das hat uns über­wäl­tigt.“

Die Wiener Zeitung berich­tet über die Jubelfeiern, die das Regime ver­an­stal­tet, um ein Jahr nach der Wahlfälschung den Eindruck von Legitimität zu wah­ren.

Während der ira­ni­sche Machthaber Mahmoud Ahmadinejad den ers­ten Jahrestag sei­ner Wiederwahl am Wochenende groß fei­ern lässt, zeigt ein bri­ti­scher Dokumentationsfilm, wie bru­tal der Mullah-Staat mit Oppositionellen umgeht.

Die Frankfurter Rundschau macht sogar auf der Titelseite der Print-Ausgabe das Thema Iran zum Hauptthema des Tages. Ich sah sie heute früh beim Zeitungshändler lie­gen.
Und so berich­tet die Onlineausgabe mit drei Artikeln heute: “Millionen gegen die Theokratie”, “Millionen gegen die Theokratie” und “Wie Glut unter der Asche”.

Der Kölner Stadt-Anzeiger meint, “Das Regime sitzt fest im Sattel

Ein Jahr danach haben Vertreter der grü­nen Bewegung ihre Kundgebung abge­sagt. Aus Angst. Nicht ein­mal eine stille Veranstaltung, bei der um jene getrau­ert wer­den sollte, die das bru­tale Vorgehen des Regimes das Leben gekos­tet hat, scheint ohne Blutvergießen mög­lich. Der Protest ist abge­würgt. Man sieht kaum noch etwas davon. Und kaum einer sucht ihn – längst hat sich die Welt ande­ren Themen zuge­wandt.

Bei SRD.DS gibt es einen kur­zen Artikel zu lesen und ein Interview zum Anhören. Lohnenswert!

Und in der Zeit-Online heißt es:

Bleiern liegt Repression über dem Land, beson­ders drü­ckend in die­sen Juni-Tagen. Vor einem Jahr hatte der Betrugsverdacht bei den Präsidentschaftswahlen die größ­ten Proteste seit Bestehen der Islamischen Republik aus­ge­löst, drei Millionen Iraner gin­gen auf die Straße. »Grün« hatte sich die Bewegung genannt, nach der Wahlkampffarbe des Reform- Kandidaten Mir Hussein Mussawi: islamisch-grün, hoff­nungs­grün. [...]
Dieses oppo­si­tio­nelle Lebensgefühl hat ein Erkennungslied: Yare Dabestani Man, »mein Grundschul-Freund«; ein auto­ri­tä­rer Lehrer wird darin zur Allegorie all­ge­mei­ner Tyrannei. Das Lied zieht sich durch Jahrzehnte der Freiheitssehnsucht: ursprüng­lich ein Klassiker der Revolutionsära, dann ent­deckt von der Studentenbewegung der neun­zi­ger Jahre, die blu­tig nie­der­ge­schla­gen wurde. Seit der Wahl 2009 ver­leiht nun diese Melodie jeder has­ti­gen Widerstandsaktion poli­ti­sche Eindeutigkeit. Jemand stimmt die ers­ten Töne an, und es scheint eine Kraftwelle durch das Häuflein der Beteiligten zu gehen. Ein Lied gegen die Angst, ein ira­ni­sches We shall over­come.

Getagged mit
 
Über den Autor

Nic

Hauptautor des Blogs, alles andere steht auf einer Extraseite.

2 Responses to Presseschau Iran – ein Jahr danach

  1. [...] Presseschau Iran – ein Jahr danach [...]