Radio Köln spricht davon, dass die Möglichkeit einer Entführung tatsächlich besteht. Und dass Daryush Shokof möglicherweise unter Drogen gesetzt wurde.
Die Ermittler gehen jetzt der Frage nach, ob eventuell eine Entführung stattgefunden hat oder Shokof unter Drogeneinfluss stand.
Im Laufe des heutigen Tages wollen Polizei und Staatsanwaltschaft versuchen, den Regisseur dazu zu befragen.
Nic
Nics Bloghaus
Du schreibst so viel über den Mann. Ist er tatsächlich so wichtig? Und was, wenn er nicht entführt und unter Drogen “gesetzt” wurde? sondern das Zeug freiwillig nahm?
Ich kann das nicht wirklich einschätzen -> meine aber, dass es schon erstaunlich ist, wenn es in Deutschland 12 Tage braucht, um einen Vermissten zu finden. Wir sollten den iranischen Geheimdienst nicht unterschätzen.
Was, wenn er nicht entführt – also kein Opfer Dritter – wurde, sondern nur Opfer einer möglichen Sucht?
Ja, dann ist das sehr peinlich und er hat sich für lange Zeit unglaubwürdig gemacht; egal, wie gut seine Filme auch sein mögen. Es gab ja auch kritische Stimmen, wie Du weißt. Auch meiner Frau kommt das alles sehr merkwürdig vor und etwas unglaubwürdig. Andererseits hat sich Shirin Ebadi besorgt geäußert…
Ich weiß es nicht – aber ich werde das weiter verfolgen und berichten.
Nun, Herr Shokof verfügt über alle Talente, die es braucht, um erfolgreiche Filme zu produzieren. Vor allem hat er einen schier unerschöpflichen Fundus an Fantasie. Lasst uns kurz zusammenfassen:
1. Der Presse ist zu entnehmen, dass er sich auf dem Weg nach Paris befand und in Köln umsteigen wollte. In Köln fahren stündlich mehrere Züge nach Paris ab. Was machte Herr Shokof abends am ca. vier Kilometer vom Bahnhof entfernten Friesenplatz?
2. Der Friesenplatz in Köln ist einer der belebtesten Plätze in Köln. Der ältere Mann auf der Bank (scheinbar wusste dieser schon vorher, dass Shokof sich auf die gleiche Bank setzen würde) und zwei weitere Männer (die ihn offenbar schon seit seiner Abreise aus Berlin observiert haben) entführen Shokof am hellichten Tag auf dem Friesenplatz.
3. Sie drängen ihn an diesem belebten Platz in ein Auto und verkleben ihm Augen und Mund. Keiner der tausend Passanten bemerkt etwas.
4. Shokof verlangt in seinem Kellerverlies Wasser, bekommt dann angeblich mit Drogen versetzes Wasser, das ihn schläfrig macht – vermutlich, damit er nichts von seiner Entführung mitbekommt und er sich nicht erschreckt.
5. Er wird 12 Tage festgehalten und dann “in den Rhein geworfen”. Warum auch immer diese 12 Tage ohne Forderungen, ohne Misshandlungen, einfach nur festhalten.
6. Er schwimmt vollkommen entkräftet ans Ufer, wird dort von Jugendlichen entdeckt, denen er auf Englisch noch sagen kann, dass er entführt wurde und bricht dann zusammen.
Der Rhein hat derzeit Niedrigwasser. Gerade in der Gegend um Porz, dort wo man Shokof gefunden hat, müsste man ihn entweder 30 Meter ins Wasser getragen und dann erst geworfen oder von einer Brücke gestoßen haben. Die nächste Brücke Rheinaufwärts wäre in Bonn, das hätte er niemals überlebt. Die Geschichte mit dem Reintragen ist wohl noch absurder.
7. Nach einem Tag kann er das Krankenhaus verlassen. Das scheint doch ein wenig kurz für 12 Tage Geiselhaft und Drogen.
8. In seinen Interviews sagt er, dass man ihm gedroht habe, seinen neuen Film zu veröffentlichen. Das könnte genau der Grund für die Story sein. Eine bessere PR-Aktion kann man sich schwer vorstellen.
Ganz klar – was auch immer der Hintergrund ist: eine Geheimdienststory aus dem Iran ist es nicht. Eher ein Märchen aus 1001 Nacht.
Machen Sie einen Film draus, Herr Shokof.