Piraten in Bingen
Obwohl es medial ein wenig ruhiger wurde um die Piratenpartei (bei der NRW-Wahl wurde sie nicht einmal mehr erwähnt): heute, da der Bundesparteitag in Bingen begonnen hat, gibt es wieder etliche Pressestimmen. Wenn auch in den 19-Uhr-heute-Nachrichten über den anderen Parteitag des Wochenendes (dem der LINKEN) berichtet wurde; wir sind noch immer vorhanden und werden wahrgenommen. Das unterscheidet uns noch von anderen kleineren Parteien.
Zuerst einmal einen Glückwunsch an Jens Seipenbusch, der als Vorsitzender wiedergewählt wurde.
Auf ihrem zweitägigen Treffen, zu dem rund 1000 Mitglieder gekommen sind, will die Partei über die künftige politische Ausrichtung der Partei diskutieren. Dazu werden die Mitglieder über Anträge zu Ergänzungen des Parteiprogramms entscheiden. Bisher zählten Datenschutz, Urheberrechte, Bildung und Bürgerrechte in einer Informationsgesellschaft zu den Kernthemen der Piraten. Für den Parteitag liegen nun Anträge vor, das Parteiprogramm künftig weiter zu fassen. Gefordert wird auch eine klare Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr. (Tagesschau.de)
Für mich ist wichtig, dass die Piratenpartei ihren Nimbus als Ein-Themen-Partei los wird. Der laufende Bundesparteitag ist ein Schritt in diese Richtung. Denn wer Politik machen will kann nicht allein mit einem oder zwei Themen antreten. Das funktionierte noch ganz gut bei der letzten Bundestagswahl; aber – wie das NRW-Ergebnis zeigte – dauerhaft genügt das nicht. Auch wenn wir Internetfreaks oft meinen, der Nabel der Welt zu sein; wir sind es nicht. Und deshalb sind inhaltliche Diskussionen absolut lebensnotwendig für unsere Partei.
Heftige Debatten haben am Samstag im rheinland-pfälzischen Bingen den Bundesparteitag der Piratenpartei Deutschland bestimmt. Rund 1000 angereiste Parteimitglieder wollen bis Sonntagabend über mehr als 300 Anträge befinden und einen neuen Bundesvorstand wählen. In seiner Eröffnungsrede befürwortete Parteichef Jens Seipenbusch einen «behutsamen Ausbau der politischen Themen» der Piraten.Redner auf der Versammlung widersprachen ihrem Vorsitzenden. Das Parteiprogramm müsse in einem «beschleunigten Prozess» weiter gefasst werden. Die Piraten dürften sich künftig nicht mehr nur auf ihre Kernthemen wie Datenschutz, Urheberrechte oder Bürgerrechte in der Informationsgesellschaft beschränken. Künftig solle das Parteiprogramm auch Positionen wie beispielsweise eine klare Ablehnung von Auslandseinsätzen der Bundeswehr enthalten. (euronews für viele gleichlautende Pressemitteilungen)
Einen recht ausführlichen und guten Artikel gibt auf der Webseite des ZDF: “Piraten auf Kaperfahrt?”
Und sind die Piraten überhaupt eine Partei mit Potential oder nur ein vorüberhuschendes Schreckgespenst für das politische Establishment? Genau das ist das Kernproblem der Piratenpartei, wie übrigens auch aller anderen Splitterparteien: Sie haben zwar ein Thema, manche haben sogar gleich mehrere Themen, aber sie haben kein Programm. Die Piraten setzen sich für Einzelinteressen ein, doch sie sind sprachlos, wenn es um Antworten auf die (anderen) Fragen der Zeit geht wie etwa Wirtschaftskrise, Klimawandel oder soziale Gerechtigkeit.
Dreieinhalb Jahre nach ihrer Gründung müssen sich die Piraten entscheiden, ob sie eine Klientelpartei bleiben oder breitere Wählerschichten an sich binden wollen. In Bingen wird es heftige Diskussionen geben, denn die Mitglieder, von denen etwa jeder zehnte anreisen wird, sind in dieser Frage heftig zerstritten.
Zwei der Delegierten kenne ich gut; sie vertreten auch meine Interessen. Und die gehen – wie sicherlich aus der Gesamtheit der Artikel des Bloghauses abzulesen ist – weit über die bisherigen Kernthemen der Piratenpartei hinaus…
Zum Nachlesen:
Ein Interview mit dem neuen und alten Parteivorsitzenden
Heftige Debatte um Piraten-Programm
Das Chaos organisiert sich selbst
Nic
2 Responses to Piraten in Bingen

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